Allgemein, Lifestyle, Religionswissenschaft

Der obligatorische Post zum Valentinstag

oder: über was Kinder so alles verstehen, meine Bachelor-Arbeit und Valentinskarten.

Bereits letztes Jahr konnte ich mich nicht um den Post am Valentinstag drücken (Der Valentinstag – von der “Tradition” hin zum Massenwerbemittel?) und habe versucht ein bisschen Blogger-Leben mit Kulturwissenschaft zu verbinden.

Deshalb dachte ich mir dieses Jahr: Wie wäre es damit, den alten Artikel ein bisschen zu überarbeiten? Du hast dich doch bestimmt ganz viel verändert und kannst auch neue Sachen aus dem Studium mit einbringen etc….

Doch als ich mir den alten Post durchgelesen habe musste ich feststellen, dass ich den gar nicht verändern will! Auch wenn ich mittlerweile anders schreibe, sowohl in der Art, als auch im Inhalt, stehe ich immer noch hinter den Aussagen, die ich damals getroffen habe!

Deshalb gibt es heute einen komplett neuen Post…

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Ich muss als allererstes gestehen, dass ich dieses Jahr den Valentinstag beinahe verpasst hätte! Vor lauter Bachelor-Arbeit, Planungen für die Semesterferien und und und habe ich einfach überhaupt keinen Gedanken daran verbracht (ups, hätte fast „verschwendet“ geschrieben 😀 ). Dieses Jahr verbringe ich nämlich den Tag mit meiner Mama! Beim Verabreden hatten wir nur „den Dienstag in der ersten Semesterferienwoche“ ausgemacht – und natürlich erst beim Eintragen in den Kalender habe ich das Datum gesehen 😉

Genau in diesem Moment musste ich dann schmunzeln: Der Valentinstag fällt auf einen Dienstag! Früher dachte ich nämlich immer, dass es Valendienstag heißt 😀 Bis meine Mama es mir dann erklärt hat … das macht den Zufall jetzt noch besser!

Aber irgendwie passt das doch perfekt! Denn warum sollte sich der „Tag der Liebenden“ nur auf Partnerschaftsbeziehungen beschränken und nicht oder gerade auf alle anderen Menschen, die man liebt und gerne um sich hat, ausgeweitet werden?

Da wir aber den Tag in einem Palmenparadies-Schwimmbad-Saunenlandschaft-Ort verbringen, werden wir als „Paar“ wohl doch etwas rausstechen 😉

 

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Da ich aber natürlich nicht nur von mir berichten will, sondern euch ja auch versprochen hatte, vor allem in Hinblick auf meine Bachelor Arbeit hier immer mal wieder Religions- und Kulturwissenschaftliche Themen anzusprechen, bzw. die Posts zu verbinden, geht es jetzt erst richtig los:

Im Zuge der Literaturdurchsicht für meine BA (Thema siehe hier) beschäftige ich mich auch mit Ritualen, Ästhetik und Medialität. Da war es nur umso besser, als ich Samstag Mittag in einem Text über letzteres über das Fallbeispiel es Valentinstages gestolpert bin! 

Ganz kurz, was ist Medialität? „Medialität ist die Art und Weise, wie verschiedene Medien das kommunikative und strukturierte Handeln von Akteuren im Hinblick auf die Produktion, Zirkulation und Rezeption von Ritualen bedingen.“ (Brosius und Heidbrink 2013: 77) Das heißt, Medialität hat Auswirkungen auf unsere gesellschaftlichen und kulturellen Praktiken und trägt zur Bildung von Realität bei. Dabei stellen sie nicht nur die mediale Aufbereitung von z.B. Handlungen dar. Da weder der Akteur noch das Medium jemals nur ein passiver oder aktiver Teilnehmender sein können, stellt jede mediale Repräsentation immer eine neue Art der Kontextualisierung (Einbettung in die soziale Realität) dar und verändert dabei die Personen, bzw. wird selbst stetig verändert. Wenn es um Medien und Medialität geht, stellt sich außerdem die Frage nach der „Wirklichkeit“ oder der „Realität“ im Allgemeinen. Anders: ist das Internet real oder braucht es „echte“ Menschen?

Stopp! Erstmal Durchschnaufen! Das wars mit der Theorie 😉

Weiter im Text…

Der Valentinstag stellt dabei eine globale Form ritualisierter Emotionen von romantischer Liebe dar. Dass Medialität hier vorzufinden ist, ist offensichtlich, und das auch schon ohne Internet oder sonstiges, nämlich: Die Valentinskarte!

(Dieser Brauch, sich Karten zu schicken entstand bereits im Viktorianischen Zeitalter.)

Dabei schafft es diese besondere Form einer Grußkarte anscheinend, Gefühle auszudrücken, die sonst schwer in Worten oder Bildern auszudrücken sind. Dieses Medium trägt also eine Botschaft, bzw. ist es sogar die Botschaft selbst: Dadurch, dass sie an diesem besonderen Tag verschenkt wird, erhält sie schon ihre spezifische Bedeutung, egal welcher Text/welches Bild sie nun beinhaltet.

Doch wie war das noch gleich? Die Akteure sind keine passiven Teilnehmer? Genau!

So sehr sich viele über diesen Brauch freuen oder auch bei der schieren Unmenge an Auswahl in den Läden nur darüber schmunzeln können, dieses Medium kann noch viel mehr:

In Indien beispielsweise wird der Valentinstag seit den 1990er Jahren in immer größerem Umfang, aber auch begleitet von großem Widerstand, gefeiert. Dieser Widerstand ist vor allem bei religiösen Gruppierungen oder aber konservativen Gruppen zu finden. Hier kommt wieder die Valentinskarte ins Spiel! Diese wird dabei oftmals am 14.2. vor laufenden Kameras verbrannt, mit der Begründung, sie seien obszön oder kulturlos. Der Valentinstag wird dabei als ein „fremdes“ Ritual gesehen, dass in Indien nichts zu suchen habe. Natürlich folgten darauf auch Gegenbewegungen, beispielsweise gab es 2009 eine Facebook-Gruppe initiiert durch Frauen aus verschiedenen indischen Städten.

„Der Valentinstag steht also für eine Medialität, die mit neuen Konsum- und Vorstellungswelten zusammenhängt, kollektive und individuelle Emotionen bedingend.“ (Ebd. 82)

Heißt also: Der Valentinstag, und vor allem die Valentinskarte sind ein perfektes Beispiel für die „nicht-Passivheit“ von Objekten, Medien und Medialität im Allgemeinen, sowie für die Wirkmacht und Beeinflussung unseres alltäglichen Lebens und der Konstruktion von Realität in unseren Köpfen. Außerdem schafft es dieses Ding aus Papier Identitäten zu bilden (durch Abgrenzung oder Teilnahme) und hat Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen. Allein mit der Entscheidung, ob wir eine Karte kaufen, für wen wir sie kaufen, ob wir überhaupt eine kaufen oder lieber selbst eine basteln, was auf dieser Karte steht, ob sie witzig, romantisch oder gar nichts davon ist, wird deutlich, dass ein 14. Februar ohne dieses Faltblatt einfach nicht mehr denkbar ist!

 

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Auch wenn ihr euch vielleicht gar nicht mehr traut diese Frage zu beantworten 😉

-> wie steht ihr zum Valentinstag? Feiert ihr ihn? Wenn ja wie? Und habt ihr auch brav eine Karte gekauft? 😛

 

PS: Diesen Blogpost habe ich nicht zu Hause im stillen Kämmerlein geschrieben, sondern ausgerechnet in der Bibliothek zwischen Büchern und einem Pärchen (Medium und Akteure = Medialität) 😉

PPS: Das war mein erster Blogpost auf meinem neuen Baby-Schatz, meinem Mac Book Air! Die große Liebe am Valentinstag ist also gesichert!

 

Quelle: Brosius, Christiane und Heidbrink, Simone (2013): „Medialität“, in: Brosius u.a. (Hrsg.): Ritual und Ritualdynamik. Schlüsselbegriffe, Theorien, Diskussionen, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 77-84.
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