SKAM – Warum eine norwegische Teenager Serie mich auf so vielen Ebenen überzeugt hat Teil 1

Warum habe ich jeden Menschen den ich so kenn von dieser Serie vorgeschwärmt? Und ich habe wirklich keine Gelegenheit ausgelassen (daraus resultiert übrigens auch dieser Beitrag hier *g*).

Tatsächlich nicht nur, weil mich die Geschichten der Figuren angesprochen haben sondern auch weil die Serie drei zentrale Themen bearbeitet, die mir persönlich am Herz liegen und mit deren Umsetzung ich total glücklich bin. Feminismus, Homosexualität und Religion. In meiner dreiteiligen Reihe möchte ich euch die Serie daher unter diesen Gesichtspunkten ans Herz legen.

SKAM und Feminismus

Ist SKAM eine feministische Serie? Ja und nein. Ja weil die Figuren gleichberechtigt dastehen und die Serie Männer und Frauenrollen gerne mal hinterfragt – nein, in dem Sinne das sie im Grunde schon einen Schritt weiter ist. Sie hat sich schon selbst als Teil des Jugendangebots von NRK betrachtet, aber nie dezidiert mit dem Label sich nur an Mädchen oder nur an Jungen zu richten. SKAM macht einfach und das in einer Natürlichkeit die ich einfach nur super finde und von der ich hoffe, dass sich das in den nächsten Jahren noch auf andere Formate ausbreitet.

Mädchen, die offen über Sexualität sprechen, Jungs, die nicht ständig als wandelndes Machoklischee dargestellt werden. Dabei dürfen alle mal auch über die Stränge schlagen, etwas zu viel trinken oder auch mal einen Joint Rauchen. Auffällig war für mich das hier gerade auch Eva, Noora und Co. Offen über Sex sprechen und auch mal anzügliche Witze machen. Einerseits fand ich das super, andererseits fiel mir dann auf: Warum fällt mir das eigentlich auf? Woran liegt es, dass ich den Eindruck habe, hier etwas völlig Neues zu sehen?

Ich denke zum einen, da ich aus meiner Teeniezeit keine Serie kenne, die sich so offen damit auseinandersetzt und wenn dann nur verschämt und als Negativfolie.

Sicher liegt das zum Teil auch an anderen gesetzlichen Vorrausetzungen. So werden wir im deutschen Fernsehen vermutlich keine Teenager einen Joint Rauchen sehen, zumindest mal nicht in einem Angebot für Teenager und schon gar nicht vor einer bestimmten Uhrzeit. (Was in SKAM schon mal vorkommen kann, die Serie ist rund um die Uhr online abrufbar).

Vor allem Noora fällt mir als erste ein, wenn ich an Skam und Feminismus denke. Sie spricht von sich selbst als jemand der sich auch als Feministin beschrieben würde und wird schon in der ersten Staffel als eine solche Figur aufgebaut.

Sie hinterfragt immer wieder warum z.B Vildes Glück davon abhängen soll, einen Kerl abzuschleppen.

Vilde, ein Mädchen das eher als unsicher mit sich und ihrem Körper gezeigt wird, die eine Essstörung entwickelt, aber durch ihre Freundinnen darin bestärkt wird, etwas wert zu sein. Gerade Noora, ist dabei die treibende Kraft, wenn es darum geht genauso ein Verhalten gegenüber anderen – also sie allein aufgrund ihres Aussehens zu bewerten und nieder zu machen – zu kritisieren. Eines der Beispiele wo sich Realtität und Fiktion noch stärker vermischen, da auch Ulrikke Falch, die Schauspielerin von Vilde eine Esstörung hatte und sich gegen Bodyshaming einsetzt. (Mehr zu ihrer Aktion: z.B hier: http://www.huffingtonpost.com/entry/why-teenagers-everywhere-are-leaving-anonymous-post_us_593d4586e4b094fa859f1958 )

Außerdem habe ich den Eindruck das es Juli Andelm auch wichtig war, Natürlichkeit zu zeigen. Man hat beim Schauen nicht das Gefühl nur Fotogeshoppte junge Menschen zu sehen, Makeup wird nicht übertrieben verwendet. Bei all den geleckten Figuren denen man gerne mal in diversen Serien begegnet, eine echte Wohltat. Zumal man immer auch sieht wie sich etwa Noora oder Eva auch wohl fühlen in ihrem Körper. Selbst beim Sex wirken sie nicht gestellt, sondern sehr echt. Hier mögen sich eben zwei Menschen so, dass sie miteinander schlafen wollen. Ob nun in einer Beziehung oder außerhalb spielt dabei keine große Rolle. Es geht mehr darum einfach zu genießen und Spaß daran zu haben. Sex hier als Teil ihres Lebens, aber eben nicht um der Erotik willen oder weil es darum geht, nackte Haut zu zeigen.

Und Chris? Ihr ist es eh egal was alle denken. Sie macht ihr eigenes Ding und hebt sich gerne mal durch Glitzerregenjacken oder andere witzige Outfits von allen ab.

Die Freundschaft zwischen Noora, Eva, Sana und Vilde steht am Ende immer wieder als Fels in der Brandung. Ebenso wie die Freundschaften zwischen Isak und Jonas, die sich ebenfalls auf ihre Freunde hundertprozentig verlassen können. Zu diesen Figuren aber mehr, wenn es in Teil 2 um Isak gehen wird.

Schade vielleicht, dass dann ausgerechnet Noora den Bad Guy der Serie bekommt. Aber auch hier ist sie jemand der sich in der Beziehung nicht dominieren lässt. Und sie macht ihm immer wieder klar, welches Verhalten sie nicht akzeptieren kann, wenn die Beziehung funktionieren soll. Sie ist auch bereit sich zu trennen, wenn er sein Verhalten nicht hinterfragt. Selbst wenn William das Klischee eines Bad Guy innehat, der zu retten sei, und das auch die Sicht auf die Beziehung zwischen ihm und Noora beeinflusst, finde ich persönlich aber, dass die Serie gerade bei Noora hierdurch besonders viele Beziehungsangebote für junge Mädchen aufzeigt und damit auch Folgendes: Ich kann auch Feministin sein, für meine Überzeugungen einstehen, wenn ich in einer Beziehung bin. Und ich muss mir eben nicht jedes Verhalten meines Freundes/oder Freundin gefallen lassen.

Und William macht dann auch deutlich, dass er sie ernst nimmt, er hinterfragt sein eigenes Verhalten und versucht es zu ändern.

Als sie fürchten muss vergewaltigt worden zu sein, kann auch sie auf ihre Freundinnen zählen und traut sich so, Niko nicht nur anzuzeigen, sondern sich ihm auch zu stellen und eine der stärksten Szenen der 2. Staffel zu präsentieren. In dem sie ihm nicht nur aufzeigt welche Gesetze er gebrochen hat, sondern auch deutlich macht, das sie ihn nun anzeigen wird. Hier zeigte sich übrigens welche Reichweite die Serie hat, denn nach der Ausstrahlung des Clips, hat die norwegische Polizei diesen auf ihrer Facebookseite geteilt, weil sie Noora hier dezidiert als Rollenvorbild für alle Opfer von sexueller Gewalt (in welcher Form auch immer) sahen.

Aber nicht ständig wird dabei auch wirklich über diese Themen gesprochen, sie werden oft nebenbei mitverhandelt, etwa wenn es darum geht ob sich Eva in der ersten Staffel von Jonas trennt, und aus welchen Gründen. – Es geht ihr dabei vor allem um ihre Fixiertheit, die sie entwickelt hat, und dass sie herausfinden möchte, wer sie eigentlich ohne ihn ist. Oder wie Sana als junge Muslima in Norwegen ihren eigenen Weg findet, Religion und Teenagerjahre unter einen Hut zu bringen (dazu mehr in Teil 3 dieser Artikelreihe).

 

SKAM hat übrigens nie den Anspruch perfekt zu sein, sondern schafft immer wieder neue Angebote, sich mit Themen auseinander zu setzen. Und das sicher auch, weil alles eben in ganz alltäglichen Gesprächen stattfindet. Es wirkt als ob das Thema eben gerade aufgekommen ist und nicht, weil es halt so im Drehbuch steht.

Durch die Gespräche über dieses und andere Themen, die die Selbständigkeit der Mädchen betreffen (ich kann selbstständig sein und trotzdem schon mal überlegen mit welchem Kerl ich rummachen möchte) ohne das es immer gleich ein absolut zentrales Thema ist, wird völlig natürlich und unverkrampft das Angebot an den Zuschauer gemacht, diese Themen auch zu hinterfragen und darüber zu sprechen – was auch tatsächlich passiert, zumindest wenn man sich die verschiedenen Medien anschaut, auf der die Serie nach wie vor diskutiert wird.

Warum ich mich hier nur mit der „weiblichen“ Seite des Feminismus beschäftigt habe? Zum einen, ist mir einfach für die Person der Noora soo unglaublich viel eingefallen, zum anderen ist das dem Format der Serie geschuldet: Jede Staffel hat eine bestimmte Perspektive / einen bestimmten Blickwinkel auf die Personen. Deshalb liegt der Fokus in dieser Staffel auch auf den Mädchen. Gleichzeitig aber ist allein schon die „Nichtbeachtung“ der Unterschiede von Jungs und Mädchen in diesem Zusammenhang gerade DAS entscheidende positive Merkmal der Serie!

 

Und im nächsten Teil: SKAM, Homosexualität und weshalb die dritte Staffel meine Lieblingsstaffel ist

Links für weitere Informationen: http://skam.p3.no/ (offizielle Seite)

Fan Wiki: http://skam.wikia.com/wiki/Skam_Wiki

 


Über die Serie

SKAM (norwegisch soviel wie Schande, aber auch Fehltritt oder Scham) 2015-2017

Drehbuch, Regie und Idee: Juli Andelm

Norwegische Serie, in 4 Staffeln mit Folgen je 15- 50 Minuten Länge, Eva, Noora, Isak und zuletzt Sana waren die jeweiligen Hauptprotagonisten

Austrahlung: Als Clips im Netz – jeweils zur Uhrzeit der jeweiligen Szene (z:b Freitag 21:21 dann ist es auch in der Serie diese Zeit), freitags jeweils als Zusammenschnitt aller Clips der Woche im Netz und TV

Außerhalb Norwegens ist die Serie dank der großen Fanbasis auch zu finden, dank einiger sehr lieber Fans sogar mit englischem Untertitel. Einfach ein bisschen suchen😉…

SKAM verhandelt auch Themen wie Feminismus und Genderfragen, Coming Out, Erste Liebe, Trennung, Sexualität, Vergewaltigung. Bevor Andelm die Geschichte entwickelt hat, ist sie mehrere Monate durch Norwegen gereist und hat Teenager im ganzen Land befragt. Aufgrund dieser Erfahrungen hat sie SKAM entwickelt, dabei wurden die Figuren aber auch teilweise stärker an ihre Schauspieler angeglichen.

Dabei verschwammen die Grenzen von Realität und Fiktion. Dies wurde durch eigene Instagram-, und Facebookseiten, sowie Whatsappnachrichten der wichtigsten Figuren, die man jeweils in Echtzeit mitverfolgen konnte, noch verstärkt.

SKAM hat dabei die Norwegische Meidenlandschaft gehörig auf den Kopf gestellt und zum Teil bis eine Millionen Zuschauer und das nicht nur aus Norwegen angezogen. In Norwegen selbst gehört SKAM zu den innovativsten Serien der letzten Jahre und hat zwei Mal beim wichtigsten Fernsehpreis Norwegens Gullruten mehrere Preise gewonnen.


 

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