SKAM – Teil 3: Immer wieder die Sache mit der Religion

Da ich Religionswissenschaft im Hauptfach studiere, beschäftige mich im Grunde immer irgendwie mit Religion und Fragen danach wie Menschen über ihren Glauben und/oder (ihre) Religion sprechen. Deshalb verwundert es sicher nicht, das ich Skam auch aus diesem Blickwinkel heraus immer interessanter fand. Religion und Populärkultur sind eh so ein großes Interessensgebiet von mir.

Mein Schwerpunkt wird hier ganz klar auf Sana liegen, die Hauptfigur der letzten Staffel von Skam. Allerdings spielt Religion immer mal wieder auch eine kleine Rolle in anderen Staffeln der Serie. Sana ist durch ihren Charakter und ihre Entwicklung, über die gesamte Serie hinweg nach und nach meine liebste weibliche Hauptfigur geworden. Ich habe sie gerade in Staffel 3 sehr ins Herz geschlossen und habe mich daher gefreut, als ich erfuhr, dass sie eine eigene Staffel bekommen würde. In einer Zeit in der Muslime in Europa einen eher schweren Stand haben, sicher auch kein Zufall. Juli Andelm hat in der gesamten Serie immer wieder versucht neue Blickwinkel auf kontroverse Themen zu bieten (die Flüchtlingskrise 2015 war z.B ein großes Thema in Staffel 2).

 

Und wenn es nur darum geht, dass Isak ein T-Shirt mit Jesus am Kreuz besitzt, das tatsächlich eine gewisse Rolle in der Serie hat, ohne dass es sonst einen weiteren religiösen Bezug geben würde.

Religion spielt dann tatsächlich vor allem in Staffel 3 und 4 eine größere Rolle. Das liegt zum einen daran das Isak bestimmte Themen die damit verknüpft werden können aufwirft, aber auch ganz gezielt Sana auf ihre ganz persönlichen Ansichten anspricht. Diese wird von Staffel 1 als religiöse Muslima eingeführt und trägt einen Hijab, den sie tatsächlich auch nie absetzt. Stattdessen wird Sana dann in manchen Situationen mit einem Handtuch auf dem Kopf gezeigt. Während etwa Sanas Mutter in Staffel 4 im häuslichen, familiären Umfeld auch ohne Kopfbedeckung zu sehen ist.

Mehr zu den verschiedenen Verschleierungsformen im Islam könnt ihr hier erfahren: https://www.facinghistory.org/civic-dilemmas/brief-history-veil-islam

Zurück zu Staffel 1. Hier spielt vor allem Sanas Rolle als Muslima in die Handlung hinein, während die Mädchen – Chris, Vilde, Eva und Noora sich näher kennenlernen. Auch Sana spielt noch mit ihrer Position innerhalb der Clique und ist vor allem eines: Sarkastisch und manchmal auch etwas rüde im Umgang mit anderen. Erst in Staffel 4 klärt sich, weshalb das so ist.

Vor allem Vilde versucht immer wieder herauszufinden, wie Sana ihre Religion auslebt. Dabei stellt sie ab und an Fragen, bei denen diese nur ihre Augen verdrehen kann.

Auch in Staffel 2 ändert sich daran kaum etwas, im Gegenteil, eigentlich ist Vildes Rolle in der Hinsicht schon festgeschrieben. Allerdings hat sie tatsächlich öfter mal etwas naiv anmutende Fragen egal zu welchem Thema. Den aufmerksamen Serienjunkies wird klar, dass dahinter tatsächliches Interesse steckt.

Erst Staffel 3 nimmt das Thema Religion viel stärker in den Vordergrund. Zum einen wird immer wieder angedeutet, dass Isak aus einem sehr religiösen Elternhaus kommt und vor allem seine Mutter aus einem konservativen Umfeld stammt. Gerade deshalb hat er auch Angst mit ihr über seine Homosexualität zu sprechen. Dabei wird ebenfalls angedeutet, dass sie eventuell eine psychische Störung hat und glaubt, Donald Trump wäre Isaks Onkel. Allerdings erfahren die Zuschauenden dies nur aus Isak Erzählungen und daher ist nicht klar, in wie weit sie der Realität entsprechen oder nur seine Sicht der Dinge wiederspiegeln.

Isak selbst interessiert sich vor allem für die Frage nach Paralleluniversen, in denen laut seiner Ansicht nach, die gleichen Menschen leben und eventuell nur minimale Unterschiede zum eigenen Universum bestehen. Außerdem diskutiert er mit Sana über die Evolutionstheorie und Religion. Unter anderem auch deshalb, weil er damit eigentlich herausfinden möchte, was sie über „Homosexualität“ denkt.

Diese Gespräche, über Evolutionstheorie, Religion und Homosexualität, regen zum Nachdenken an und bieten Ansatzpunkte sich selbst zu hinterfragen und auch die eigene Weltsicht zu erweitern, ohne das eine Belehrung stattfindet. Sie zeigen vor allem zwei Jugendliche, die eben auch mal über ernstere Themen miteinander sprechen können und deren Freundschaft über die gemeinsame Arbeit an einem Biologieprojekt zu wachsen beginnt. Trotzdem wird auch hier schon deutlich, welche Stellung Sana selbst zu ihrer Religion einnimmt, aber auch wie Religion im Allgemeinen bei Skam verhandelt wird.

Religion findet auf einer persönlichen Ebene statt und kann auch instrumentalisiert werden. Während ihren Gesprächen erklärt Sana, dass nicht die Religion, sondern die Menschen aus ihrer Angst heraus andere Menschen herabwürdigen und diskriminieren.

Sana ist die Hauptfigur der vierten Staffel und während diese ausgestrahlt wurde, gab es in den sozialen Medien jede Menge kontroverse Diskussionen.

Auch die Frage, in wie weit muslimische Jugendliche sich von Sana repräsentiert fühlen könnten, immerhin tragen ja z.B nicht alle Muslima eine Verschleierung (siehe dazu auch den obigen link). Für mich persönlich steht tatsächlich im Mittelpunkt das es für mich erst das zweite Mal überhaupt, dass ich eine Hijab tragende Frau in einer Serie erlebt habe (das Erste Mal war in der TV-Serie Türkisch für Anfänger), noch dazu in einer tragenden Rolle.

Zugleich ist auch Iman Meskini, die Sana verkörpert, praktizierende Muslima und trägt privat einen Hijab. Julie Andelm bricht damit gängige Muster in Serien und Hollywoodproduktionen.

In Sanas Umgebung sind alle Figuren, die sich selbst als Muslime und Muslima wahrnehmen, praktizierende Muslime und Iman Meskini trägt auch privat Hijab.

Auch wenn Religion in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielt, wird ihre Figur nicht allein darauf reduziert. Sie ist auch und vor allem eine Teenagerin, mit marokkanischen Wurzeln, die sich auch als Norwegerin wahrnimmt. So trägt sie selbstverständlich am Nationalfeiertag ihre norwegische Tracht und spricht fließend Norwegisch. Kunststück, immerhin ist sie dort geboren und aufgewachsen.

Im Dialog mit ihrem großen Bruder wird ein Generationenkonflikt zwischen ihrer Mutter und den Geschwistern angedeutet. Die Eltern der beiden sind erst als Erwachsene von Marokko nach Norwegen ausgewandert und waren während ihrer Schulzeit daher mit anderen Konflikten konfrontiert. So könnten sie nun nicht alle Probleme ihrer Kinder nachvollziehen.

Sana geht gerne mit den andern auf Parties, organisiert Gelder um den Bus zu Bus für die Abschlussfeier zu bezahlen und schminkt sich gerne. Dabei setzt sie sich zum Teil notgedrungen auch damit auseinander, dass ihr immer wieder Vorurteile entgegengebracht werden.  Immer wieder werden dabei auch Stereotype hinterfragt, die muslimischen Frauen in Norwegen herangetragen werden. Z.B das Frauen die verschleiert sind, dies nicht aus eigenem Willen tun und von ihren männlichen Familienmitgliedern unterdrückt werden. Wobei ich finde, dass sich vieles zumindest mal auf die europäische Gesellschaft oder auch die deutsche übertragen lässt.

Sanas Gespräche sind manchmal sehr ernst, sie fühlt sich gerne angegriffen und ein klärendes Gespräch mit Isak über eine Intrige die sie in ihrer Staffel spinnt, zeigt auch wie verletzlich sie eigentlich ist. Auch sie hat ihre eigenen Vorurteile und ist eben keinesfalls perfekt. Gerade diese Vielschichtigkeit macht ihre interessant aber auch zu einer Identifikationsfigur.

Eigentlich finde ich es traurig, dass mir auffiel, dass es Julia Andelm wohl sehr wichtig war, Sanas Staffel dazu zu nutzen, noch einmal heraus zu stellen, dass sie eine eigene Meinung hat, eigene Entscheidungen trifft und auch ihren ganz persönlichen Zugang zum Islam hat und weshalb sie an Gott glaubt.

Immer wieder positioniert sie sich zu verschiedenen Themen z.B Homosexualität und auch gegen bestimmte Aussagen mit denen sie nicht einverstanden ist. Aber auch Noora und Evan tun dies in ihren jeweiligen Staffeln, ebenso Isak. Insofern geht Andelm mit ihrer Figur also einfach ebenso „normal“ um, wie sie das schon in der ganzen Serie gemacht hat. Kontrovers erscheint in diesem Zusammenhang tatsächlich nur das Sana eben eine Muslima ist. Schon allein das mir das auffällt, zeigt für mich persönlich auch, wie genau diese Thematik bisher in anderen Zusammenhängen verhandelt wurde.

Sanas Religion ist aber trotzdem nur ein Bestandteil ihrer Identität. Wie auch schon in anderen Staffeln der Serie, versucht Skam genau dies herauszuarbeiten: Menschen haben vielschichtige Identitäten und lassen sich daher nicht so leicht in Schubladen einordnen, wie es manchmal auf den ersten Blick erscheint. Problematisch ist jedoch, dass oftmals, und auch zu Beginn in dieser Serie Islam als der zentrale Identitätsbestandteil wahrgenommen wird und dieses Bild erst im Laufe der Handlung verändert wird. Als es um Homosexualität u.ä. ging (siehe hier), wurde diese auch schon zu Beginn als etwas „Nicht-Besonderes“ dargestellt. Das könnte man sich auch für das Themenfeld Religion für die Zukunft wünschen.

Sana drückt in einem Gespräch mit Isak dann auch aus, das sie es leid ist, ständig den Vorurteilen der Menschen ausgesetzt zu sein. Sie hat keine Lust mehr „dumme“ Fragen zu beantworten, die ständig in verschiedenen Kontexten an sie herangetragen werden. Gleichzeitig versucht Isak ihr zu sagen, dass sie diese Konfrontation nicht scheuen sollte.

Gleich zu Beginn ihrer Staffel verliebt sich Sana in den gleichaltrigen Yousef. Dieser hat so seine eigenen Ansichten zu Religion. Er gibt ihr die Schuld daran, das ein guter Freund versucht hat sich umzubringen, weil dieser aufgrund verschiedener Ereignisse auf einmal anfing, den Koran zu lesen und für eine Zeit radikal religiös war.

Allerdings wird mit etwas mehr Hintergrund klar, dass Yousef damals nicht alle Informationen hatte und z.B. nicht wusste das dieser Bipolar (einer psychischen Krankheit mit starken Emotionsschwankungen) ist. In einem späteren Gespräch mit Sana sagt er dann, dass für ihn Religion vor allem die Funktion erfüllt, Ängste zu verringern und Gesellschaften zu strukturieren. Deshalb ist sie für ihn neben Demokratie irgendwie auch wichtig, weil sie einen anderen Ansatzpunkt wählt (seiner Meinung nach) und davon ausgeht, dass alle Menschen gleich viel wert sind, während Demokratie eine Gleichheit nur konstruiert.

Die Serie, insbesondere die vierte Staffel, bildet also verschiedenen Diskurse über Religion in der norwegischen Gesellschaft ab. Nicht immer zentral (so wie in Sanas Staffel), wie man eben manchmal auf einmal im Gespräch auf ein Thema stößt und es dann irgendwann wieder fallen lässt. Aber eben immer wieder darauf zurückgreifend. Dadurch wird deutlich das sich die Figuren auch außerhalb der gezeigten Szenen hinaus mit diesen Themen auseinandersetzen.

 

Wer norwegisch kann:

https://www.aftenposten.no/kultur/i/eQa6l/De-skamlose-jentene–Sana-blir-et-viktig-forbilde-for-muslimske-jenter

Englisch sprachige Artikel zum Weiterlesen:

http://www.dazeddigital.com/artsandculture/article/35931/1/two-young-muslims-discuss-how-skam-portrays-islam

http://www.teenvogue.com/story/muslim-girl-new-season-of-skam-is-so-important

http://skam.p3.no/

 

Übrigens gibt es in diesem Semester auch an der Universität von Bergen ein religionswissenschaftliches Seminar zu Skam. Ich gebe zu, ich bin neidisch und ein klein wenig traurig das ich zurzeit kein Auslandsemester in Norwegen machen kann. 😉

 

 

 

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SKAM – Warum eine norwegische Teenager Serie mich auf so vielen Ebenen überzeugt hat Teil 2

Dass ich die norwegische Teeanger Serie SKAM einfach nur liebe, dürfte wohl jedem/r, der/die meinen Artikel letzte Woche gelesen hat, klar geworden sein. Diese Woche liegt mein Fokus nun vor allem auf einem Thema, das mir persönlich ebenso sehr am Herzen liegt wie Feminismus. Zudem überschneiden sich diese beiden Themenkomplexe sowieso sehr oft. Nämlich der Umgang und die Darstellung von Queeren Themen in der Populärkultur. Tatsächlich bin ich gerade dadurch auch erst auf SKAM aufmerksam geworden.

Doch was ist denn hier der Clue? Warum ist die dritte Staffel so besonders und hebt sich von vielem ab, dass ich bisher so kannte?

S4 – Episode 10 letzter Clip der Serie (mit diesem endete sie am 24.6. 2017)

Even und Isak sind – wie auch alle anderen Freunde – bei Sana zu ihrem Eid Fest (der Feier zum Ende des Ramadan) eingeladen und sprechen über das Essen, das sie gerade auf den Tellern haben, sie flirten ein bisschen miteinander, genießen die Gesellschaft des anderen in dieser entspannten Athmosphäre und Isak kommt auf die Idee, gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Einfach ein glückliches Pärchen. Isak versteckt sich nicht mehr, küsst seinen Freund auch mal in der Öffentlichkeit und ist auch selbstbewusster geworden. Even kann sicher sein, das Isak ihn liebt und ihm immer zur Seite stehen wird. Auch dann, wenn es ihm wieder schlechter gehen sollte.

Rückblick:

Isak ist sowohl in S1 als auch in S2 einer der wichtigen Nebenfiguren und Juli Andelm hat unlängst veröffentlicht, das sie von Anfang geplant hatte, das er eine eigene Season bekommen würde.

Isak ist in S1 vor allem der beste Freund von Joans und Eva. Doch nicht zwingend ein sympathischer Zeitgenosse. Ich bin nicht sicher ob ich ihn gemocht hätte, wenn ich S1 ohne Vorwissen aus S3 geschaut hätte. Denn Isak ist durchaus ein kleiner Intrigant, auch wenn er nicht die Hauptschuld daran trägt das Eva und Joans sich schließlich trennen, so hat er zumindest dazu beigetragen, das Eva nicht sicher war, ob Jonas sie betrügt oder nicht.

Gleichzeitig wird er immer mal wieder als Homo bezeichnet, ohne dass es von Zuschauerseite aus so richtig eine Erklärung dafür gibt. Er selbst versucht dabei dem Thema möglichst aus dem Weg zu gehen. Doch dass da eventuell etwas dran sein könnte, das wird in der letzten Folge der Season angedeutet, als Noora auf seinem Handy per Zufall seinen Verlauf öffnet und dabei jede Seiten Mengea la Grinder (ähnlich Tinder) aufploppen.

In Staffel 2 spielt er aufgrund der Tatsache, dass Noora nicht so viel mit ihm zu hat auch nur eine kleinere Rolle. Die Mädchen sind allerdings mehr als nur überrascht als er aufeinmal mit Sara herumknutscht, da gerade Eva und Noora sicher sind, das er gar kein Interesse an Mädchen hat. Immer wieder wird im Laufe der Staffel darauf zurückgegriffen, sogar Nooras Freund Eskild schaltet sich ein, der von sich behauptet den perfekten Gaydar zu haben – aber eigentlich vor allem damit glänzt, sowieso jeden für latent schwul zu halten. (zu Esklild auch gleich noch mehr) Um dann zunächst zu vermuten das alles nur Gerüchte waren. Es sind Teenager von denen wir hier sprechen. Und das wird bei diesen Gesprächen schon deutlich.^^

Skam will hier nicht politisch korrekt sein und das finde ich in dem ganzen Kontext auch völlig in Ordnung. Zunächst lernen wir Isak ja auch von außen kennen und nur unter dem Blickwinkel von Eva und auch Noora.

Nach Staffel 3 kann man sicher auch Isaks verhalten noch einmal besser verstehen. Er selbst stellt ebenfalls fest, dass er vorher einfach nur „fake“ war und den anderen aber auch sich selbst etwas vorgemacht hat. Dass er nun auch deshalb glücklich ist, weil er sich nicht mehr verstellt und einfach

er selbst sein kann. Das ist für mich der Schlüssel aus Staffel 3. Zu zeigen und sich vor allem zu trauen man selbst zu sein. Einfach weil das Leben dann auch so viel einfacher wird, wenn man nicht ständig Lügen und Intrigen um sich herum aufbaut, um zu verbergen wer man selbst eigentlich ist.

Isak macht diese Entwicklung wärend der Driten Staffel, von einem eher grummeliegn Teenager, der auf jeder Party mit Mädchen rummacht um zu verbergen, dass das gar nicht sein Ding ist. Hin zu einem glücklichen Teenager, der nicht nur zu sich selbst steht, sondern sich auch offen zu Even bekennt.

Magnus, eine Figur die eigentlich eher eine Nebenfigur ist, und der sich dann als einer der besten Freunde herausstellt die Isak haben kann. Sein Umgang mit Evaks Entwicklung ist witzig, manchmal gespickt mit etwas dummen Fragen, die aber lieb gemeint sind, immer mit Charme und Herz. Und auch sein bester Freund Jonas, sein Kumpel Madhi, the Boys Squad, wie sie im Fanjargon genannt werden, gehen gelassen mit Isaks Outing um. Sie unterstützen ihn, als er und Even Schwierigkeiten haben zueinander zu finden und die Szene in denen sie ihm Tipps für eine Nachricht an ihn geben, ist einfach nur super.

Freundschaft ist in Skam ein wichtiger Punkt und hier wird das wieder stark betont. Toll fand ich hier auch wie selbstverständlich Even dann in die Gruppe integriert wird.

Eskild hingegen wird von Anfang an, als man ihn als Mitbewohner Nooras kennelernt, als geoutet dargestellt. Er ist mit sich selbst im Reinen und ist einfach wie er ist. Ein bisschen durchgeknallt, mit der Ansicht den perfekten Gaydar zu haben (einen Radar, Schwule auf den ersten Blick zu erkennen). Zunächst vor allem als Partyboy beschrieben, zeigt sich, dass mehr in ihm steckt als angedeutet. Er ist ein loyaler Freund und liebt seine Mitwohner alle^^ Er ist dann auch einer der ersten die Isak fragt, was er wegen Even nun tun soll und The Guru (wie er sich bei einem Gespräch spontan nennt *g*) gibt ihm gerne Rat. Er ist es auch, der eine flammende Rede für Rechte der Queeren Gemeinschaft hält und Isak klar macht, das er seine Denkweise darüber verändern sollte. Denn auch Isak hat hier so seine Vorurteile. Er meint er wollte halt nicht so Gay-gay sein (er meint hier das er kein Klischee sein will). Eskild macht ihm klar, das er hier mal über Pride nach denken sollte und das diese Menschen für ihr Recht auf das Anders sein hart gekämpft haben. Und Isak merkt das er sich entschuldigen muss. Auch ein wichtiges Gespräch, das hier eine der Veränderungen makiert, die Isak in der Staffel macht.

Klar könnte man sich fragen: ist das realistisch? Läuft ein Coming out echt immer entspannt`?? Leider nein, aber für mich geht es hier auch nicht darum!

Sondern, dass ich hier einfach eine schöne Liebesgeschiche habe, die ihren Fokus ebenso auf andere Themen legt, wie das auch in den andren Staffeln von Skam der Fall ist. Andelm macht hier absolut keinen Unterschied zwischen ihren Paaren, egal welche Sexualität. Die Darstellung ändert sich kaum. Knutschen, flirten, schöne Gespräche, traurige Momente und auch Sex. Die Szenen wechseln sich ab und zeigen Liebe in all ihren Facetten.

Das Problem zwischen Even und Isak ist dann auch eigentlich nicht, dass sie sich geküsst haben, sondern das Even bipolar ist und es daher aufgrund dessen, nicht immer so 100 Prozent einfach mit ihm sein kann. Aber auch hier geht Andelm mit ihren Figuren behutsam vor. Es geht mehr darum auch jemanden dann zu lieben, wenn es dem Partner nicht so gut geht, oder er oder sie sogar eine psychische Krankheit hat. Isak zeigt hier, dass er sich wirklich weiter entwickelt hat und steht zu Even – bedingungslos.

Zurück zur Frage – SKAM erzählt immer wieder, wie die Welt sein sollte, wie sie sein könnte. Und ich persönlich finde es super, dass hier nicht die tausendse tragische Coming Out Story erzählt wurde. Im Gegenteil, Isak und Even dürfen am Ende glücklich sein und es auch bleiben. Irgendwann ist das Drama vorbei und gerade in Staffel 4 sind sehen wir vor allem den ganz normalen Pärchenalltag und das finde ich einfach wunderbar.

Wärend Isak und Even sich nun in Staffel 3 immer näherkommen, sehen wir auch typische Szenen, die dafür sorgen das man sich besser kennelernt und eben auch näher kommen kann. Da wird ein Gespräch über Käsetoast und welche Gewürze darauf sollen, zum leichten Flirt (ohne, dass es wirklich beiden klar ist *g*) und ein recht harmloses Gespräch über Sonja – zu dem Zeitpunkt noch Evens Freundin – endet fast in einem Kuss zwischen den beiden. Im Vorfeld war Isak übrigens so neugierig Even besser kennen zu lernen, dass er ihn im Internet erstmal gegoogelt hat. (Und mir kann niemand erzählen, dass das nicht inzwischen ganz normal ist *g*)

Die Geschichte wird mit so viel Liebe und Gefühl beschrieben. Der erste Kuss zwischen den beiden dann eine Hommage an BuzLurhmanns Romeo du Julia (Evens Lieblingsfilm) in einem Swimmingpool.

Überhaupt küssen sich die beiden sehr oft, nicht weniger oder mehr als die anderen Paare bei SKAM, aber ich fand das schon sehr ungewöhnlich. Und deshalb auch so toll. In einer ganz normalen Teenagerserie, die sich nicht an eine bestimmte Zielgruppe richtet -außer an Teeanger im Allgemeinen – das so offen und normal zu sehen, finde ich einfach grandios! Es wird kein Theater darum gemacht, sie wirken entspannt und glücklich dabei – genauso wie es ein sollte. Man sieht, dass sie sich lieben und spürt das auch.

Henrik Holm und Tarjej Sandvik Moe sind übrigens auch junge Männer für die es nichts besonderes ist das sich auch Männer küssen. So haben sie beim Gullrutenpreis (wichtiger norwegischer Fernsehpreis) dieses Jahr in Norwegen auf die auf sie gerichtete Kissingkamera genauso reagiert wie viele andere: sie küssten sich. Und das ohne, dass sie selbst ein Paar wäre. Henrik z.B. hat eine Freundin. Aber beide meinten das sie es inzwischen gewohnt sind darum gebeten zu werden zu knutschen.^^ Sie haben von Anfang eine Schauspielerische Chemie gespürt die dazu führte, dass sie sich auch wohl gefühlt haben.

Beide treten auch in der Öffentlichkeit dafür ein, das es eben einfach normal sein sollte, dass sich Jungs und Männer küssen oder Homosexuelle gleiche Rechte haben sollten wie andere auch.

Gerade weil hier das Queere Thema so natürlich dargestellt ist, gefällt mir die dritte Staffel so gut. Even und Isak sind verliebt und das sieht man, das spürt man hinter jedem Kuss, bei jedem Lächeln, beim Umgang miteinander in der gemeinsamen Wohnung in Staffel 4 und eben auch bei den gemeinsamen Plänen in der letzten Folge.

Was ich aber hoffe ist, dass es irgendwann so normal ist, dass es selbst mir nicht mehr auffällt, sondern einfach da ist. SKAM machte da auf jeden Fall den ersten Schritt in die richtige Richtung!

 


Über die Serie

SKAM (norwegisch soviel wie Schande, aber auch Fehltritt oder Scham) 2015-2017

Drehbuch, Regie und Idee: Juli Andelm

Norwegische Serie, in 4 Staffeln mit Folgen je 15- 50 Minuten Länge, Eva, Noora, Isak und zuletzt Sana waren die jeweiligen Hauptprotagonisten

Austrahlung: Als Clips im Netz – jeweils zur Uhrzeit der jeweiligen Szene (z:b Freitag 21:21 dann ist es auch in der Serie diese Zeit), freitags jeweils als Zusammenschnitt aller Clips der Woche im Netz und TV

Außerhalb Norwegens ist die Serie dank der großen Fanbasis auch zu finden, dank einiger sehr lieber Fans sogar mit englischem Untertitel. Einfach ein bisschen suchen😉…

SKAM verhandelt auch Themen wie Feminismus und Genderfragen, Coming Out, Erste Liebe, Trennung, Sexualität, Vergewaltigung. Bevor Andelm die Geschichte entwickelt hat, ist sie mehrere Monate durch Norwegen gereist und hat Teenager im ganzen Land befragt. Aufgrund dieser Erfahrungen hat sie SKAM entwickelt, dabei wurden die Figuren aber auch teilweise stärker an ihre Schauspieler angeglichen.

Dabei verschwammen die Grenzen von Realität und Fiktion. Dies wurde durch eigene Instagram-, und Facebookseiten, sowie Whatsappnachrichten der wichtigsten Figuren, die man jeweils in Echtzeit mitverfolgen konnte, noch verstärkt.

SKAM hat dabei die Norwegische Meidenlandschaft gehörig auf den Kopf gestellt und zum Teil bis eine Millionen Zuschauer und das nicht nur aus Norwegen angezogen. In Norwegen selbst gehört SKAM zu den innovativsten Serien der letzten Jahre und hat zwei Mal beim wichtigsten Fernsehpreis Norwegens Gullruten mehrere Preise gewonnen.

SKAM – Warum eine norwegische Teenager Serie mich auf so vielen Ebenen überzeugt hat Teil 1

Warum habe ich jeden Menschen den ich so kenn von dieser Serie vorgeschwärmt? Und ich habe wirklich keine Gelegenheit ausgelassen (daraus resultiert übrigens auch dieser Beitrag hier *g*).

Tatsächlich nicht nur, weil mich die Geschichten der Figuren angesprochen haben sondern auch weil die Serie drei zentrale Themen bearbeitet, die mir persönlich am Herz liegen und mit deren Umsetzung ich total glücklich bin. Feminismus, Homosexualität und Religion. In meiner dreiteiligen Reihe möchte ich euch die Serie daher unter diesen Gesichtspunkten ans Herz legen.

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