This was it – 2017. Oder: eine Selbstkritik

„Ich habe das Gefühl, dass sich dieses Jahr was verändert hat – wir sollten mal aktiv werden“, so eine Freundin, die im Juli mal Regale bei Saturn umgestellt hat (Was alles in „sexistische Kackscheisse“ und „ich als Frau“ hineininterpretiert werden kann – oder: Wann man die Twitterbenachrichtigungen ausschalten sollte) im März diesen Jahres. Zwar wurde es daraufhin wieder etwas ruhiger in ihrem getwitterten sozialen Leben – auch wenn das natürlich nicht heißen soll, dass sie sich jemals einer Diskussion entsagen würde oder ich etwas davon verpassen würde, da ich sowieso immer Screenshots zugeschickt bekomme – doch wir gründeten damals den Feministischen Salon, weshalb ich für sie und für uns definitiv sagen kann: das Ziel wurde erreicht. Doch kann ich das auch für mich mit ja beantworten? Oder ist die eigentliche Frage nicht: Was ist das Ziel?

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Vom Ausmisten, Abgeben und Verloren gehen

Man kommt nach Hause, die Shoppingtaschen voller neuer Sachen. Eigentlich ist im Schrank gar kein Platz mehr, aber irgendwie geht das noch rein. Und so lange das noch geht muss ja auch nichts raus. Danach mal überlegen, eine Lösung wird sich schon finden …

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I am back!

Hallihallo!

Nein, ich schreibe diesen Blogpost nicht genau jetzt, weil ich mich vor meinem Essay drücke. Das wollte ich nur kurz festhalten.

Seit mittlerweile zwei Monaten bin ich in diesem wunderschönen Land nördlich von England. Seit zwei Monaten drücke ich mich davor weiterzuschreiten. Rede mich damit raus, dass ich nicht wüsste in welcher Sprache ich weiterschreiben soll (Deutsch, Englisch, beides?). Seit zwei Monaten schreibe ich interessante Ideen in mein Bulletjournal, ja habe sogar schon eine zweite Seite begonnen. Abgetippt habe ich nichts. Doch damit ist jetzt Schluss!

I AM BACK!

Mit Ausrufezeichen! Ganz vielen!!!

Vielleicht damit ich mich drücken kann, jetzt auch wieder weiterzumachen.

Warum jetzt?

Überall bin ich von der Diskussion über das neue Gesetz zum Dritten Geschlecht umgeben. Und es ist das erste mal seit 2 Monaten, dass ich mich in der Diskussion beteilige. That’s a sign! I am back! Ich will wieder schreiben, ich will euch wieder meine Meinung aufdrücken 😉

Manchmal ist es einfach egal, wie viele Ideen man hat, wenn man sie einfach nicht umsetzen kann. Wenn irgendetwas fehlt.

In meinem Fall die Abneigung diesen Essay zu schreiben. Ja ich gebe es zu, ich drücke mich – aber es ist sinnvoll!

I AM BACK!

Und ich freue mich ja so!

Weshalb? Weil diese Themen auf euch warten:

Sexismus in Serien – darf ich das jetzt gut finden?

Feminismus und Wissenschaft

#keinehaarekeinelikes – mal wieder ich und meine Haare

Fitnessstudio und Feminismus?

Verhütung, Mütter* und diese anderen Frauendinge (als ob das Männer nicht betreffen würde!)

Ebenso wie Reihen zu:

Gender History, insights to my Essays und meiner Masterarbeit

Feminismus und Idole

 

I AM BACK!

For good? Hopefully! Ich kann mir und euch nicht versprechen, jetzt wieder regelmäßig zu schreiben, denn ich habe gemerkt: Das kann ich einfach nicht. Wenn ich schreibe, dann schreibe ich. Wenn nicht, dann nicht. Davon geht die Welt nicht unter. Dafür gibt’s genug andere Gründe!

PS: Somehow, don’t know why wurde es dann doch einfach die Sprache, die ich gerne spreche, weil ich so schreibe, wie ich spreche. Die Sprache, in der ich mich wohl fühle, auch wenn mich das wohl einer großen Leserschaft beraubt: Deutsch mit ein paar Englischen Wörtern, sorry, aber das bekomme ich nach zwei Monaten voller „Heya“ (schottische Begrüßung) nicht mehr raus.

PPS: Die neue Facebook-Seite ist open für alle! Posted was das Zeug hält 😉

PPPS: Schaut mal, was WordPress mir hier vorgeschlagen hat:

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€1,00

Wer also eine arme Student*in unterstützen will …. 😛

PPPPS: Dann mache ich mich mal an den Essay…

Warum es nicht ohne Body Positivity geht

Eine Woche lang schleppe ich nun schon die Idee für diesen Blogpost mit mir herum. Nein, ich schreibe nicht einfach etwas dazu, weil man das als Feminist*in wohl gerade tun müsse.

Sondern, weil mich dieser Artikel fast zur Weißglut gebracht hätte: 5 Gründe, warum es mich ankotzt, wenn schöne Menschen sagen, sie seien body-positive

Nachdem ich ihn letzte Woche gelesen hatte, habe ich ihn zu Diskussionszwecken in diversen Facebookgruppen / -seiten und mit Freund*innen geteilt. Eigentlich nur, um ein bisschen Input für diesen Post hier zu gewinnen. Leider hat es sich nach einem Tag so angefühlt, als ob alles gesagt wäre. Im Groben gab es immer zwei Meinungen, eine, die ich auch vertreten würde, und die andere ^^

Ich hatte mir also vorgenommen, etwas dazu zu schreiben. Was hab ich gemacht? Zwei Tage lang mein Bullet Journal verschönert 😀 Ich hatte weder Lust, noch eine Vorstellung, was ich denn nun eigentlich noch dazu schreiben soll – irgendwie war schon alles gesagt.

Ich würde ja gerne sagen, mein Bullet Journal war die Rettung. Aber eigentlich war es doch das Zitat meiner Heldin Simone de Beauvoir:

Simone Body nah.jpg

Nachdem ich das gefunden hatte – und es auch noch hinbekommen habe nach meinen Vorstellungen zu illustrieren 😀 – MUSSTE ich den Post jetzt auch wirklich schreiben. Als ich dann heute morgen nochmal alle Diskussionen durchging, fiel mir auf, dass jemand zusammen mit oben genanntem Artikel auch noch diesen hier geteilt hatte: Warum Body Positivity einen negativen Beigeschmack hat

Und – schwupsdiwups – war der Inhalt auch kein Problem mehr 😀


 

Kurzzusammenfassung: Nach meiner Lesart geht es im zweiten Artikel grundsätzlich um  eine Kritik an der aktuellen Werbe-/ Schönheitsindustrie, die den Begriff Body Positivity für sich nutzt. Wenn hier Schluss wäre: Yay! Kapitalismus ist sch****! 🙂 Leider war das erst die Hälfte. Und im ersten Artikel ging es wohl einfach darum, persönlichen Frust rauszulassen. Entschuldige, aber wenn es anders wäre, würde man merken, dass man zwei nicht zusammenhängende Dinge (die Instagram-Scheinwelt und was Body Positivity ist) miteinander vermischt, im Zuge dieser Kritik alles über einen Kamm schert, und GENAU DAMIT Schönheitsideale verfestigt und Menschen innerhalb einer Bewegung kritisiert … also genau das tut, worüber man sich gerade aufregt…

Ja, das sind Meinungen, klar. Aber warum muss denn schon wieder eine positive Bewegung ins negative Licht gerückt und abgelehnt werden? Der Kapitalismus und die Gesellschaft müssen sich gar nicht gegen den Feminismus wehren – wir machen uns schon selbst kaputt!


 

1. Instagram und „schöne“ Menschen

Danke, dass so viele Menschen über Instagram schreiben. Danke, dass alle darüber urteilen. Danke, dass fast niemand auf der sogenannten „schönen Seite“ etwas in die Diskussion mit einbringt. Danke, dass, wenn das doch mal passiert (auch im kleinen), jeder darauf herumhackt und es als „Marketing“ darstellt. Danke, dass niemand Instagram einfach mal Instagram sein lässt.

Ach und: Danke, dass ich jetzt mal ausreden darf!

Auch ich sehe, dass Schlagworte wie Body Positivity mittlerweile auf Social Media Plattformen aus nicht den besten Gründen genutzt werden – ich hab ja keine Scheuklappen auf! Kritisieren okay, aber deshalb die Bewegung verurteilen und aufgeben? Ich hör ja auch nicht mit dem Feminismus auf, nur weil H&M & Co. T-Shirts mit „Feminist“ Prints verkaufen!

Was ich mich auch immer frage ist, warum immer so viele glauben, dass das Leben, das auf Instagram gezeigt wird „real“ ist? Dass da kein Mensch dahinter steckt. Ein Mensch. Mit Problemen wie jeder andere Mensch.

Da ich selbst weiß, wie kritisch man seine Bilder vor dem Posten aussortieren kann, wie oft man Körperteile wegschneidet, und wie wenig man dann die (meist lobenden) Kommentare darunter auf sich selbst als Person bezieht: Instagram ist wie jedes andere Soziale Medium seine eigene Welt, mit eigenen Unterwelten! Wenn niemand Fettpölsterchen sehen will, dann zeigt man sie auch nicht. So einfach ist das! Aber man muss sich das ja nicht antun 😉 Ich selbst habe ja gerade mein Instagram aussortiert, und mein Profil geändert. Und siehe da: Die Welt sieht ganz anders aus!

Aber was mich (am ersten Artikel) noch viel mehr aufgeregt hat, war die Überschrift, die ja ganz sicher nicht zu Marketingzwecken verfasst wurde …

  1. Warum sollte irgendjemand nicht sagen dürfen, er*sie seit Body Positive?
  2. Wer bestimmt denn bitte gerade wer „schön“ ist und wer nicht, wenn nicht die Autorin des Artikels?

Klar, man könnte mir jetzt vorhalten ich könne das ja ohne Probleme sagen, mir würde das ja nicht schwerfallen. Ha! Das wäre ja gelacht!

Ohne auf meine persönlichen Probleme einzugehen, ist das genau mein Punkt: Wenn die Diskussion auf diese Art und Weise geführt wird, urteilt man über Körper! Und genau das soll ja NICHT gemacht werden!

Meine Diskussionen, sowohl online als auch offline, liefen alle nach dem gleichen Muster ab: „Normschöne“ Menschen beschreiben, dass auch sie Probleme haben und demnach Body Positivity als etwas Positives sehen (ui – Wortspiel 😉 ). (Sich selbst) nicht (als) „normschöne“ Menschen (sehende Personen) fühlen sich dadurch angegriffen. Aber warum? Niemand greift hier an. Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen von der Regel. Allerdings – so meine Erfahrung – sind meine Gesprächspartner meistens erst durch Gesprächen mit „normschönen“ Menschen zu der Erkenntnis gelangt, dass jede*r seine Probleme hat.

Ob es in der Gesellschaft jetzt für manche Körperformen einfacher oder schwerer ist, sei mal dahingestellt. Denn darum geht es nicht!

 

2. Überall geht es um den Körper – und das ist gut so!

Das einzige Problem, das ich an Body Positivity sehe ist, dass wir in unseren Köpfen anscheinend einfach nicht mehr nicht kategorisieren können! Dass wir immer urteilen müssen. Dass wir Körper nicht einfach ohne Bewertung betrachten können. Egal was für eine Bewertung das auch immer sein mag. Das ist das Schlimme daran. Und eigentlich hat das nichts mit Body Positivity zu tun!

Um die Autorin des ersten Artikels zu zitieren:

Und schon wieder ist es bei mir da, dieses Gefühl: Kann man nicht ein einziges Mal Instagram oder Social Media nutzen, ohne über irgendwelche Körper reden zu müssen?

Nein! Kann man nicht. Und das ist gut so!

Solange wir in einer Gesellschaft leben, die Körpernormen vorschreibt, solange eine Freundin und ich uns einig sind, nur in einer geschlossenen Gruppe über unsere Körperwahrnehmung reden könnten, solange sich noch irgendjemand in seiner*ihrer Haut unwohl fühlt MUSS der erste Schritt das ständige Reden über und Normalisieren jeder möglichen Körperform sein! Man kann das Thema nicht einfach mit der Begründung sein lassen, dass hierdurch doch Normen erst verfestigt werden. Dass, wenn Körperformen egal wären, man sie auch egal sein lassen könne. Nein. So funktioniert das  nicht.

Denn:

  1. Gesellschaftliche Kontrolle des*der Einzelnen funktioniert über Körper. Wenn wir das nicht in seiner Gewichtigkeit* anerkennen, verkennt nicht nur der Feminismus, sondern auch jede andere gesellschaftliche Bewegung die zentrale Wirkfläche von Kultur und Gesellschaft.
  2. Wenn niemand angemessen und ständig über Körper spricht, überlässt man auch hier das Feld den lauteren Stimmen. In diesem Fall dann beispielsweise der Werbung. Oder dem Fashion/Lifestyle Instagram.

* Weil anscheinend kein Blogpost ohne auskommt: Auch deshalb heißt Judith Butlers bekanntes Buch „Körper von Gewicht“.

Eine Welt ohne Körper gibt es nicht. Mit dieser Voraussetzung müssen wir arbeiten. Sonst reden wir irgendwo, über irgendwas. Aber nicht in dieser Welt, nicht über die Probleme dieser Welt.

 

3. Was ist denn nun Body Positivity und warum ist es wichtig?

Ihr (gemeint sind obige Autorinnen u.a.) beschwert euch, dass Body Positivity nicht mehr das ist, was es sein sollte? Dass, es als Modetrend zu Marketingzwecken genutzt wird?

Auch, wenn mir das als Religions- und Kulturwissenschaftlerin drei Jahre lang ausgetrieben wurde: Ihr wollt zurück zu den Ursprüngen? Ihr kriegt die Ursprünge!

Immer wieder wird Body Positivity mit „den eigenen Körper lieben“ übersetzt. Aber das wäre ja zu viel verlangt – Akzeptanz sei das Ziel!

Euch ist schon klar, dass, wenn ihr „Körper lieben“ kritisiert, weil es Menschen vorschreibt, wie sie mit ihrem Körper umgehen sollen, „Körper akzeptieren“ nichts anderes ist?

Unabhängig davon, dass meiner Meinung nach Akzeptanz, weil es auf viel zu wackeligen Füßen steht nicht ausreicht – seit wann wird Positivity mit Liebe übersetzt? Die schönste, und meiner Meinung nach einzig funktionierende Definition für Body Positivity hab ich von meiner lieben Katha:

Es geht nicht darum, Fehler zu akzeptieren, sondern erst gar keine Fehler zu sehen! Jeder Körper soll als „richtig“ gesehen werden.

 

Egal, wie viel sich die Welt in den letzten 70 Jahren geändert hat: Simone de Beauvoirs Zitat passt immer noch wie die Faust aufs Auge:

To lose confidence in one’s body is to lose confidence in oneself.

Ohne den Körper gibt es uns nicht. Ob wir es wollen oder nicht, ob die gegenwärtige Kultur nun „Körper“ und „Geist“ trennt oder nicht: der Körper ist und bleibt unser Medium untereinander und unsere Verbindung zur Welt.

Der Körper ist das Mittel, über welches Kontrolle auf so etwas wie das „Selbst“ ausgeübt wird. Ob es nun die Gesellschaft tut oder man selbst.

Da steht ja gar nichts von „schön“? Richtig! Es geht nicht darum alle Körper als „schön“ zu sehen. Schönheit soll nämlich keine von außen aufgedrückte Schablone sein, die dem*der Einzelnen vorschreibt, wie er*sie die Welt sehen soll. Schönheit, genauso wie Attraktivität, sind etwas subjektives. Natürlich sind wir durch Sehgewohnheiten geprägt. Aber doch gegen genau diese wollen wir uns doch wehren!

Schön sein, sich schön fühlen ist nicht das Ziel.

Aber weil sich ja keiner ein Ziel vorschreiben lassen will, ziehe ich mich aus der Verantwortung ;), gebe das heute vorsichtshalber mal ab und lasse deshalb Madlen Plakinger sprechen, deren Kommentar ich in der Facebook Diskussion gerne mit mehr als nur einem ❤ versehen hätte:

Schönheit liegt wie jeder weiß im Auge des Betrachters und um bodypositivity zu vertreten muss man nicht als super hässlich abgestempelt werden! Man spricht für alle Menschen und muss nicht unbedingt egoistisch denken und alles nur auf sich beziehen. Außerdem soll keiner ausgegrenzt werden, nur weil er für den ein oder anderen irgendwo nicht hinein passt! Egal ob dick, dünn, klein, groß, schwarz, weiß oder so wie man eben ist.. alle Menschen sind gut wie sie sind, solange sie niemand anderem damit weh tun! Und oftmals muss ich da leider diesem Klischee begegnen, dass etwas mehr auf den Rippen als weniger schön angesehen wird, dabei kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass „zu dünn“ genau so verletzend sein kann wie „zu dick“ oder was auch immer man in Negativität verpacken will!
Edit: ich finde die Gesellschaft ist grausam genug um Menschen überhaupt vorzuschreiben wie sie sein sollen und was das Schönheitsideal darstellt. Also seid froh mit dem was ihr habt und seid, bleibt individuell und werdet keine Kopien von Kopien, das wäre viel zu langweilig! Vielfältigkeit ist super!

 

Langer Kommentar zu einem alten Hut: Frauen, Männer und der Sommer Teil 2

Der Sommer ist gefühlt zwar fast vorbei (leider), dieses Thema aber noch lange nicht (leider auch: leider)…

Teil zwei dieser Reihe sollte eigentlich ein ganz anderes Thema werden, und auf dieses hier wäre ich von selbst glaube ich auch gar nicht gekommen, aber wie ich zu einer Freundin immer sage: „Der Blogpost schreibt sich von ganz alleine!“

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SKAM – Teil 3: Immer wieder die Sache mit der Religion

Da ich Religionswissenschaft im Hauptfach studiere, beschäftige mich im Grunde immer irgendwie mit Religion und Fragen danach wie Menschen über ihren Glauben und/oder (ihre) Religion sprechen. Deshalb verwundert es sicher nicht, das ich Skam auch aus diesem Blickwinkel heraus immer interessanter fand. Religion und Populärkultur sind eh so ein großes Interessensgebiet von mir.

Mein Schwerpunkt wird hier ganz klar auf Sana liegen, die Hauptfigur der letzten Staffel von Skam. Allerdings spielt Religion immer mal wieder auch eine kleine Rolle in anderen Staffeln der Serie. Sana ist durch ihren Charakter und ihre Entwicklung, über die gesamte Serie hinweg nach und nach meine liebste weibliche Hauptfigur geworden. Ich habe sie gerade in Staffel 3 sehr ins Herz geschlossen und habe mich daher gefreut, als ich erfuhr, dass sie eine eigene Staffel bekommen würde. In einer Zeit in der Muslime in Europa einen eher schweren Stand haben, sicher auch kein Zufall. Juli Andelm hat in der gesamten Serie immer wieder versucht neue Blickwinkel auf kontroverse Themen zu bieten (die Flüchtlingskrise 2015 war z.B ein großes Thema in Staffel 2).

 

Und wenn es nur darum geht, dass Isak ein T-Shirt mit Jesus am Kreuz besitzt, das tatsächlich eine gewisse Rolle in der Serie hat, ohne dass es sonst einen weiteren religiösen Bezug geben würde.

Religion spielt dann tatsächlich vor allem in Staffel 3 und 4 eine größere Rolle. Das liegt zum einen daran das Isak bestimmte Themen die damit verknüpft werden können aufwirft, aber auch ganz gezielt Sana auf ihre ganz persönlichen Ansichten anspricht. Diese wird von Staffel 1 als religiöse Muslima eingeführt und trägt einen Hijab, den sie tatsächlich auch nie absetzt. Stattdessen wird Sana dann in manchen Situationen mit einem Handtuch auf dem Kopf gezeigt. Während etwa Sanas Mutter in Staffel 4 im häuslichen, familiären Umfeld auch ohne Kopfbedeckung zu sehen ist.

Mehr zu den verschiedenen Verschleierungsformen im Islam könnt ihr hier erfahren: https://www.facinghistory.org/civic-dilemmas/brief-history-veil-islam

Zurück zu Staffel 1. Hier spielt vor allem Sanas Rolle als Muslima in die Handlung hinein, während die Mädchen – Chris, Vilde, Eva und Noora sich näher kennenlernen. Auch Sana spielt noch mit ihrer Position innerhalb der Clique und ist vor allem eines: Sarkastisch und manchmal auch etwas rüde im Umgang mit anderen. Erst in Staffel 4 klärt sich, weshalb das so ist.

Vor allem Vilde versucht immer wieder herauszufinden, wie Sana ihre Religion auslebt. Dabei stellt sie ab und an Fragen, bei denen diese nur ihre Augen verdrehen kann.

Auch in Staffel 2 ändert sich daran kaum etwas, im Gegenteil, eigentlich ist Vildes Rolle in der Hinsicht schon festgeschrieben. Allerdings hat sie tatsächlich öfter mal etwas naiv anmutende Fragen egal zu welchem Thema. Den aufmerksamen Serienjunkies wird klar, dass dahinter tatsächliches Interesse steckt.

Erst Staffel 3 nimmt das Thema Religion viel stärker in den Vordergrund. Zum einen wird immer wieder angedeutet, dass Isak aus einem sehr religiösen Elternhaus kommt und vor allem seine Mutter aus einem konservativen Umfeld stammt. Gerade deshalb hat er auch Angst mit ihr über seine Homosexualität zu sprechen. Dabei wird ebenfalls angedeutet, dass sie eventuell eine psychische Störung hat und glaubt, Donald Trump wäre Isaks Onkel. Allerdings erfahren die Zuschauenden dies nur aus Isak Erzählungen und daher ist nicht klar, in wie weit sie der Realität entsprechen oder nur seine Sicht der Dinge wiederspiegeln.

Isak selbst interessiert sich vor allem für die Frage nach Paralleluniversen, in denen laut seiner Ansicht nach, die gleichen Menschen leben und eventuell nur minimale Unterschiede zum eigenen Universum bestehen. Außerdem diskutiert er mit Sana über die Evolutionstheorie und Religion. Unter anderem auch deshalb, weil er damit eigentlich herausfinden möchte, was sie über „Homosexualität“ denkt.

Diese Gespräche, über Evolutionstheorie, Religion und Homosexualität, regen zum Nachdenken an und bieten Ansatzpunkte sich selbst zu hinterfragen und auch die eigene Weltsicht zu erweitern, ohne das eine Belehrung stattfindet. Sie zeigen vor allem zwei Jugendliche, die eben auch mal über ernstere Themen miteinander sprechen können und deren Freundschaft über die gemeinsame Arbeit an einem Biologieprojekt zu wachsen beginnt. Trotzdem wird auch hier schon deutlich, welche Stellung Sana selbst zu ihrer Religion einnimmt, aber auch wie Religion im Allgemeinen bei Skam verhandelt wird.

Religion findet auf einer persönlichen Ebene statt und kann auch instrumentalisiert werden. Während ihren Gesprächen erklärt Sana, dass nicht die Religion, sondern die Menschen aus ihrer Angst heraus andere Menschen herabwürdigen und diskriminieren.

Sana ist die Hauptfigur der vierten Staffel und während diese ausgestrahlt wurde, gab es in den sozialen Medien jede Menge kontroverse Diskussionen.

Auch die Frage, in wie weit muslimische Jugendliche sich von Sana repräsentiert fühlen könnten, immerhin tragen ja z.B nicht alle Muslima eine Verschleierung (siehe dazu auch den obigen link). Für mich persönlich steht tatsächlich im Mittelpunkt das es für mich erst das zweite Mal überhaupt, dass ich eine Hijab tragende Frau in einer Serie erlebt habe (das Erste Mal war in der TV-Serie Türkisch für Anfänger), noch dazu in einer tragenden Rolle.

Zugleich ist auch Iman Meskini, die Sana verkörpert, praktizierende Muslima und trägt privat einen Hijab. Julie Andelm bricht damit gängige Muster in Serien und Hollywoodproduktionen.

In Sanas Umgebung sind alle Figuren, die sich selbst als Muslime und Muslima wahrnehmen, praktizierende Muslime und Iman Meskini trägt auch privat Hijab.

Auch wenn Religion in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielt, wird ihre Figur nicht allein darauf reduziert. Sie ist auch und vor allem eine Teenagerin, mit marokkanischen Wurzeln, die sich auch als Norwegerin wahrnimmt. So trägt sie selbstverständlich am Nationalfeiertag ihre norwegische Tracht und spricht fließend Norwegisch. Kunststück, immerhin ist sie dort geboren und aufgewachsen.

Im Dialog mit ihrem großen Bruder wird ein Generationenkonflikt zwischen ihrer Mutter und den Geschwistern angedeutet. Die Eltern der beiden sind erst als Erwachsene von Marokko nach Norwegen ausgewandert und waren während ihrer Schulzeit daher mit anderen Konflikten konfrontiert. So könnten sie nun nicht alle Probleme ihrer Kinder nachvollziehen.

Sana geht gerne mit den andern auf Parties, organisiert Gelder um den Bus zu Bus für die Abschlussfeier zu bezahlen und schminkt sich gerne. Dabei setzt sie sich zum Teil notgedrungen auch damit auseinander, dass ihr immer wieder Vorurteile entgegengebracht werden.  Immer wieder werden dabei auch Stereotype hinterfragt, die muslimischen Frauen in Norwegen herangetragen werden. Z.B das Frauen die verschleiert sind, dies nicht aus eigenem Willen tun und von ihren männlichen Familienmitgliedern unterdrückt werden. Wobei ich finde, dass sich vieles zumindest mal auf die europäische Gesellschaft oder auch die deutsche übertragen lässt.

Sanas Gespräche sind manchmal sehr ernst, sie fühlt sich gerne angegriffen und ein klärendes Gespräch mit Isak über eine Intrige die sie in ihrer Staffel spinnt, zeigt auch wie verletzlich sie eigentlich ist. Auch sie hat ihre eigenen Vorurteile und ist eben keinesfalls perfekt. Gerade diese Vielschichtigkeit macht ihre interessant aber auch zu einer Identifikationsfigur.

Eigentlich finde ich es traurig, dass mir auffiel, dass es Julia Andelm wohl sehr wichtig war, Sanas Staffel dazu zu nutzen, noch einmal heraus zu stellen, dass sie eine eigene Meinung hat, eigene Entscheidungen trifft und auch ihren ganz persönlichen Zugang zum Islam hat und weshalb sie an Gott glaubt.

Immer wieder positioniert sie sich zu verschiedenen Themen z.B Homosexualität und auch gegen bestimmte Aussagen mit denen sie nicht einverstanden ist. Aber auch Noora und Evan tun dies in ihren jeweiligen Staffeln, ebenso Isak. Insofern geht Andelm mit ihrer Figur also einfach ebenso „normal“ um, wie sie das schon in der ganzen Serie gemacht hat. Kontrovers erscheint in diesem Zusammenhang tatsächlich nur das Sana eben eine Muslima ist. Schon allein das mir das auffällt, zeigt für mich persönlich auch, wie genau diese Thematik bisher in anderen Zusammenhängen verhandelt wurde.

Sanas Religion ist aber trotzdem nur ein Bestandteil ihrer Identität. Wie auch schon in anderen Staffeln der Serie, versucht Skam genau dies herauszuarbeiten: Menschen haben vielschichtige Identitäten und lassen sich daher nicht so leicht in Schubladen einordnen, wie es manchmal auf den ersten Blick erscheint. Problematisch ist jedoch, dass oftmals, und auch zu Beginn in dieser Serie Islam als der zentrale Identitätsbestandteil wahrgenommen wird und dieses Bild erst im Laufe der Handlung verändert wird. Als es um Homosexualität u.ä. ging (siehe hier), wurde diese auch schon zu Beginn als etwas „Nicht-Besonderes“ dargestellt. Das könnte man sich auch für das Themenfeld Religion für die Zukunft wünschen.

Sana drückt in einem Gespräch mit Isak dann auch aus, das sie es leid ist, ständig den Vorurteilen der Menschen ausgesetzt zu sein. Sie hat keine Lust mehr „dumme“ Fragen zu beantworten, die ständig in verschiedenen Kontexten an sie herangetragen werden. Gleichzeitig versucht Isak ihr zu sagen, dass sie diese Konfrontation nicht scheuen sollte.

Gleich zu Beginn ihrer Staffel verliebt sich Sana in den gleichaltrigen Yousef. Dieser hat so seine eigenen Ansichten zu Religion. Er gibt ihr die Schuld daran, das ein guter Freund versucht hat sich umzubringen, weil dieser aufgrund verschiedener Ereignisse auf einmal anfing, den Koran zu lesen und für eine Zeit radikal religiös war.

Allerdings wird mit etwas mehr Hintergrund klar, dass Yousef damals nicht alle Informationen hatte und z.B. nicht wusste das dieser Bipolar (einer psychischen Krankheit mit starken Emotionsschwankungen) ist. In einem späteren Gespräch mit Sana sagt er dann, dass für ihn Religion vor allem die Funktion erfüllt, Ängste zu verringern und Gesellschaften zu strukturieren. Deshalb ist sie für ihn neben Demokratie irgendwie auch wichtig, weil sie einen anderen Ansatzpunkt wählt (seiner Meinung nach) und davon ausgeht, dass alle Menschen gleich viel wert sind, während Demokratie eine Gleichheit nur konstruiert.

Die Serie, insbesondere die vierte Staffel, bildet also verschiedenen Diskurse über Religion in der norwegischen Gesellschaft ab. Nicht immer zentral (so wie in Sanas Staffel), wie man eben manchmal auf einmal im Gespräch auf ein Thema stößt und es dann irgendwann wieder fallen lässt. Aber eben immer wieder darauf zurückgreifend. Dadurch wird deutlich das sich die Figuren auch außerhalb der gezeigten Szenen hinaus mit diesen Themen auseinandersetzen.

 

Wer norwegisch kann:

https://www.aftenposten.no/kultur/i/eQa6l/De-skamlose-jentene–Sana-blir-et-viktig-forbilde-for-muslimske-jenter

Englisch sprachige Artikel zum Weiterlesen:

http://www.dazeddigital.com/artsandculture/article/35931/1/two-young-muslims-discuss-how-skam-portrays-islam

http://www.teenvogue.com/story/muslim-girl-new-season-of-skam-is-so-important

http://skam.p3.no/

 

Übrigens gibt es in diesem Semester auch an der Universität von Bergen ein religionswissenschaftliches Seminar zu Skam. Ich gebe zu, ich bin neidisch und ein klein wenig traurig das ich zurzeit kein Auslandsemester in Norwegen machen kann. 😉

 

 

 

Fuck Fashion? Wie der Feminismus mich rettete – oder: nicht nur Instagram ist irgendwie fake – Studierende sind es auch!

Zeitgleich mit diesem Post geht das obige Bild auch auf Instagram online. Und das nicht ohne Grund: Danach wird es keine „Fashionbilder“, keine Werbung mehr für alles hier im Post als negativ beschriebenes mehr geben, und auch die Listen der von mir abonnierten Seiten wurde schon ausgemistet.

Aber warum? Woher der Wandel? Ist es wirklich ein Wandel oder wenn ja, was? Heißt das jetzt, dass ich gar keine Bilder mehr von mir posten werde oder dass ich nie wieder shoppen gehe oder was?

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