I am back!

I am back!

Hallihallo!

Nein, ich schreibe diesen Blogpost nicht genau jetzt, weil ich mich vor meinem Essay drücke. Das wollte ich nur kurz festhalten.

Seit mittlerweile zwei Monaten bin ich in diesem wunderschönen Land nördlich von England. Seit zwei Monaten drücke ich mich davor weiterzuschreiten. Rede mich damit raus, dass ich nicht wüsste in welcher Sprache ich weiterschreiben soll (Deutsch, Englisch, beides?). Seit zwei Monaten schreibe ich interessante Ideen in mein Bulletjournal, ja habe sogar schon eine zweite Seite begonnen. Abgetippt habe ich nichts. Doch damit ist jetzt Schluss!

I AM BACK!

Mit Ausrufezeichen! Ganz vielen!!!

Vielleicht damit ich mich drücken kann, jetzt auch wieder weiterzumachen.

Warum jetzt?

Überall bin ich von der Diskussion über das neue Gesetz zum Dritten Geschlecht umgeben. Und es ist das erste mal seit 2 Monaten, dass ich mich in der Diskussion beteilige. That’s a sign! I am back! Ich will wieder schreiben, ich will euch wieder meine Meinung aufdrücken 😉

Manchmal ist es einfach egal, wie viele Ideen man hat, wenn man sie einfach nicht umsetzen kann. Wenn irgendetwas fehlt.

In meinem Fall die Abneigung diesen Essay zu schreiben. Ja ich gebe es zu, ich drücke mich – aber es ist sinnvoll!

I AM BACK!

Und ich freue mich ja so!

Weshalb? Weil diese Themen auf euch warten:

Sexismus in Serien – darf ich das jetzt gut finden?

Feminismus und Wissenschaft

#keinehaarekeinelikes – mal wieder ich und meine Haare

Fitnessstudio und Feminismus?

Verhütung, Mütter* und diese anderen Frauendinge (als ob das Männer nicht betreffen würde!)

Ebenso wie Reihen zu:

Gender History, insights to my Essays und meiner Masterarbeit

Feminismus und Idole

 

I AM BACK!

For good? Hopefully! Ich kann mir und euch nicht versprechen, jetzt wieder regelmäßig zu schreiben, denn ich habe gemerkt: Das kann ich einfach nicht. Wenn ich schreibe, dann schreibe ich. Wenn nicht, dann nicht. Davon geht die Welt nicht unter. Dafür gibt’s genug andere Gründe!

PS: Somehow, don’t know why wurde es dann doch einfach die Sprache, die ich gerne spreche, weil ich so schreibe, wie ich spreche. Die Sprache, in der ich mich wohl fühle, auch wenn mich das wohl einer großen Leserschaft beraubt: Deutsch mit ein paar Englischen Wörtern, sorry, aber das bekomme ich nach zwei Monaten voller „Heya“ (schottische Begrüßung) nicht mehr raus.

PPS: Die neue Facebook-Seite ist open für alle! Posted was das Zeug hält 😉

PPPS: Schaut mal, was WordPress mir hier vorgeschlagen hat:

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Wer also eine arme Student*in unterstützen will …. 😛

PPPPS: Dann mache ich mich mal an den Essay…

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Warum es nicht ohne Body Positivity geht

Warum es nicht ohne Body Positivity geht

Eine Woche lang schleppe ich nun schon die Idee für diesen Blogpost mit mir herum. Nein, ich schreibe nicht einfach etwas dazu, weil man das als Feminist*in wohl gerade tun müsse.

Sondern, weil mich dieser Artikel fast zur Weißglut gebracht hätte: 5 Gründe, warum es mich ankotzt, wenn schöne Menschen sagen, sie seien body-positive

Nachdem ich ihn letzte Woche gelesen hatte, habe ich ihn zu Diskussionszwecken in diversen Facebookgruppen / -seiten und mit Freund*innen geteilt. Eigentlich nur, um ein bisschen Input für diesen Post hier zu gewinnen. Leider hat es sich nach einem Tag so angefühlt, als ob alles gesagt wäre. Im Groben gab es immer zwei Meinungen, eine, die ich auch vertreten würde, und die andere ^^

Ich hatte mir also vorgenommen, etwas dazu zu schreiben. Was hab ich gemacht? Zwei Tage lang mein Bullet Journal verschönert 😀 Ich hatte weder Lust, noch eine Vorstellung, was ich denn nun eigentlich noch dazu schreiben soll – irgendwie war schon alles gesagt.

Ich würde ja gerne sagen, mein Bullet Journal war die Rettung. Aber eigentlich war es doch das Zitat meiner Heldin Simone de Beauvoir:

Simone Body nah.jpg

Nachdem ich das gefunden hatte – und es auch noch hinbekommen habe nach meinen Vorstellungen zu illustrieren 😀 – MUSSTE ich den Post jetzt auch wirklich schreiben. Als ich dann heute morgen nochmal alle Diskussionen durchging, fiel mir auf, dass jemand zusammen mit oben genanntem Artikel auch noch diesen hier geteilt hatte: Warum Body Positivity einen negativen Beigeschmack hat

Und – schwupsdiwups – war der Inhalt auch kein Problem mehr 😀


 

Kurzzusammenfassung: Nach meiner Lesart geht es im zweiten Artikel grundsätzlich um  eine Kritik an der aktuellen Werbe-/ Schönheitsindustrie, die den Begriff Body Positivity für sich nutzt. Wenn hier Schluss wäre: Yay! Kapitalismus ist sch****! 🙂 Leider war das erst die Hälfte. Und im ersten Artikel ging es wohl einfach darum, persönlichen Frust rauszulassen. Entschuldige, aber wenn es anders wäre, würde man merken, dass man zwei nicht zusammenhängende Dinge (die Instagram-Scheinwelt und was Body Positivity ist) miteinander vermischt, im Zuge dieser Kritik alles über einen Kamm schert, und GENAU DAMIT Schönheitsideale verfestigt und Menschen innerhalb einer Bewegung kritisiert … also genau das tut, worüber man sich gerade aufregt…

Ja, das sind Meinungen, klar. Aber warum muss denn schon wieder eine positive Bewegung ins negative Licht gerückt und abgelehnt werden? Der Kapitalismus und die Gesellschaft müssen sich gar nicht gegen den Feminismus wehren – wir machen uns schon selbst kaputt!


 

1. Instagram und „schöne“ Menschen

Danke, dass so viele Menschen über Instagram schreiben. Danke, dass alle darüber urteilen. Danke, dass fast niemand auf der sogenannten „schönen Seite“ etwas in die Diskussion mit einbringt. Danke, dass, wenn das doch mal passiert (auch im kleinen), jeder darauf herumhackt und es als „Marketing“ darstellt. Danke, dass niemand Instagram einfach mal Instagram sein lässt.

Ach und: Danke, dass ich jetzt mal ausreden darf!

Auch ich sehe, dass Schlagworte wie Body Positivity mittlerweile auf Social Media Plattformen aus nicht den besten Gründen genutzt werden – ich hab ja keine Scheuklappen auf! Kritisieren okay, aber deshalb die Bewegung verurteilen und aufgeben? Ich hör ja auch nicht mit dem Feminismus auf, nur weil H&M & Co. T-Shirts mit „Feminist“ Prints verkaufen!

Was ich mich auch immer frage ist, warum immer so viele glauben, dass das Leben, das auf Instagram gezeigt wird „real“ ist? Dass da kein Mensch dahinter steckt. Ein Mensch. Mit Problemen wie jeder andere Mensch.

Da ich selbst weiß, wie kritisch man seine Bilder vor dem Posten aussortieren kann, wie oft man Körperteile wegschneidet, und wie wenig man dann die (meist lobenden) Kommentare darunter auf sich selbst als Person bezieht: Instagram ist wie jedes andere Soziale Medium seine eigene Welt, mit eigenen Unterwelten! Wenn niemand Fettpölsterchen sehen will, dann zeigt man sie auch nicht. So einfach ist das! Aber man muss sich das ja nicht antun 😉 Ich selbst habe ja gerade mein Instagram aussortiert, und mein Profil geändert. Und siehe da: Die Welt sieht ganz anders aus!

Aber was mich (am ersten Artikel) noch viel mehr aufgeregt hat, war die Überschrift, die ja ganz sicher nicht zu Marketingzwecken verfasst wurde …

  1. Warum sollte irgendjemand nicht sagen dürfen, er*sie seit Body Positive?
  2. Wer bestimmt denn bitte gerade wer „schön“ ist und wer nicht, wenn nicht die Autorin des Artikels?

Klar, man könnte mir jetzt vorhalten ich könne das ja ohne Probleme sagen, mir würde das ja nicht schwerfallen. Ha! Das wäre ja gelacht!

Ohne auf meine persönlichen Probleme einzugehen, ist das genau mein Punkt: Wenn die Diskussion auf diese Art und Weise geführt wird, urteilt man über Körper! Und genau das soll ja NICHT gemacht werden!

Meine Diskussionen, sowohl online als auch offline, liefen alle nach dem gleichen Muster ab: „Normschöne“ Menschen beschreiben, dass auch sie Probleme haben und demnach Body Positivity als etwas Positives sehen (ui – Wortspiel 😉 ). (Sich selbst) nicht (als) „normschöne“ Menschen (sehende Personen) fühlen sich dadurch angegriffen. Aber warum? Niemand greift hier an. Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen von der Regel. Allerdings – so meine Erfahrung – sind meine Gesprächspartner meistens erst durch Gesprächen mit „normschönen“ Menschen zu der Erkenntnis gelangt, dass jede*r seine Probleme hat.

Ob es in der Gesellschaft jetzt für manche Körperformen einfacher oder schwerer ist, sei mal dahingestellt. Denn darum geht es nicht!

 

2. Überall geht es um den Körper – und das ist gut so!

Das einzige Problem, das ich an Body Positivity sehe ist, dass wir in unseren Köpfen anscheinend einfach nicht mehr nicht kategorisieren können! Dass wir immer urteilen müssen. Dass wir Körper nicht einfach ohne Bewertung betrachten können. Egal was für eine Bewertung das auch immer sein mag. Das ist das Schlimme daran. Und eigentlich hat das nichts mit Body Positivity zu tun!

Um die Autorin des ersten Artikels zu zitieren:

Und schon wieder ist es bei mir da, dieses Gefühl: Kann man nicht ein einziges Mal Instagram oder Social Media nutzen, ohne über irgendwelche Körper reden zu müssen?

Nein! Kann man nicht. Und das ist gut so!

Solange wir in einer Gesellschaft leben, die Körpernormen vorschreibt, solange eine Freundin und ich uns einig sind, nur in einer geschlossenen Gruppe über unsere Körperwahrnehmung reden könnten, solange sich noch irgendjemand in seiner*ihrer Haut unwohl fühlt MUSS der erste Schritt das ständige Reden über und Normalisieren jeder möglichen Körperform sein! Man kann das Thema nicht einfach mit der Begründung sein lassen, dass hierdurch doch Normen erst verfestigt werden. Dass, wenn Körperformen egal wären, man sie auch egal sein lassen könne. Nein. So funktioniert das  nicht.

Denn:

  1. Gesellschaftliche Kontrolle des*der Einzelnen funktioniert über Körper. Wenn wir das nicht in seiner Gewichtigkeit* anerkennen, verkennt nicht nur der Feminismus, sondern auch jede andere gesellschaftliche Bewegung die zentrale Wirkfläche von Kultur und Gesellschaft.
  2. Wenn niemand angemessen und ständig über Körper spricht, überlässt man auch hier das Feld den lauteren Stimmen. In diesem Fall dann beispielsweise der Werbung. Oder dem Fashion/Lifestyle Instagram.

* Weil anscheinend kein Blogpost ohne auskommt: Auch deshalb heißt Judith Butlers bekanntes Buch „Körper von Gewicht“.

Eine Welt ohne Körper gibt es nicht. Mit dieser Voraussetzung müssen wir arbeiten. Sonst reden wir irgendwo, über irgendwas. Aber nicht in dieser Welt, nicht über die Probleme dieser Welt.

 

3. Was ist denn nun Body Positivity und warum ist es wichtig?

Ihr (gemeint sind obige Autorinnen u.a.) beschwert euch, dass Body Positivity nicht mehr das ist, was es sein sollte? Dass, es als Modetrend zu Marketingzwecken genutzt wird?

Auch, wenn mir das als Religions- und Kulturwissenschaftlerin drei Jahre lang ausgetrieben wurde: Ihr wollt zurück zu den Ursprüngen? Ihr kriegt die Ursprünge!

Immer wieder wird Body Positivity mit „den eigenen Körper lieben“ übersetzt. Aber das wäre ja zu viel verlangt – Akzeptanz sei das Ziel!

Euch ist schon klar, dass, wenn ihr „Körper lieben“ kritisiert, weil es Menschen vorschreibt, wie sie mit ihrem Körper umgehen sollen, „Körper akzeptieren“ nichts anderes ist?

Unabhängig davon, dass meiner Meinung nach Akzeptanz, weil es auf viel zu wackeligen Füßen steht nicht ausreicht – seit wann wird Positivity mit Liebe übersetzt? Die schönste, und meiner Meinung nach einzig funktionierende Definition für Body Positivity hab ich von meiner lieben Katha:

Es geht nicht darum, Fehler zu akzeptieren, sondern erst gar keine Fehler zu sehen! Jeder Körper soll als „richtig“ gesehen werden.

 

Egal, wie viel sich die Welt in den letzten 70 Jahren geändert hat: Simone de Beauvoirs Zitat passt immer noch wie die Faust aufs Auge:

To lose confidence in one’s body is to lose confidence in oneself.

Ohne den Körper gibt es uns nicht. Ob wir es wollen oder nicht, ob die gegenwärtige Kultur nun „Körper“ und „Geist“ trennt oder nicht: der Körper ist und bleibt unser Medium untereinander und unsere Verbindung zur Welt.

Der Körper ist das Mittel, über welches Kontrolle auf so etwas wie das „Selbst“ ausgeübt wird. Ob es nun die Gesellschaft tut oder man selbst.

Da steht ja gar nichts von „schön“? Richtig! Es geht nicht darum alle Körper als „schön“ zu sehen. Schönheit soll nämlich keine von außen aufgedrückte Schablone sein, die dem*der Einzelnen vorschreibt, wie er*sie die Welt sehen soll. Schönheit, genauso wie Attraktivität, sind etwas subjektives. Natürlich sind wir durch Sehgewohnheiten geprägt. Aber doch gegen genau diese wollen wir uns doch wehren!

Schön sein, sich schön fühlen ist nicht das Ziel.

Aber weil sich ja keiner ein Ziel vorschreiben lassen will, ziehe ich mich aus der Verantwortung ;), gebe das heute vorsichtshalber mal ab und lasse deshalb Madlen Plakinger sprechen, deren Kommentar ich in der Facebook Diskussion gerne mit mehr als nur einem ❤ versehen hätte:

Schönheit liegt wie jeder weiß im Auge des Betrachters und um bodypositivity zu vertreten muss man nicht als super hässlich abgestempelt werden! Man spricht für alle Menschen und muss nicht unbedingt egoistisch denken und alles nur auf sich beziehen. Außerdem soll keiner ausgegrenzt werden, nur weil er für den ein oder anderen irgendwo nicht hinein passt! Egal ob dick, dünn, klein, groß, schwarz, weiß oder so wie man eben ist.. alle Menschen sind gut wie sie sind, solange sie niemand anderem damit weh tun! Und oftmals muss ich da leider diesem Klischee begegnen, dass etwas mehr auf den Rippen als weniger schön angesehen wird, dabei kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass „zu dünn“ genau so verletzend sein kann wie „zu dick“ oder was auch immer man in Negativität verpacken will!
Edit: ich finde die Gesellschaft ist grausam genug um Menschen überhaupt vorzuschreiben wie sie sein sollen und was das Schönheitsideal darstellt. Also seid froh mit dem was ihr habt und seid, bleibt individuell und werdet keine Kopien von Kopien, das wäre viel zu langweilig! Vielfältigkeit ist super!

 

Langer Kommentar zu einem alten Hut: Frauen, Männer und der Sommer Teil 2

Langer Kommentar zu einem alten Hut: Frauen, Männer und der Sommer Teil 2

Der Sommer ist gefühlt zwar fast vorbei (leider), dieses Thema aber noch lange nicht (leider auch: leider)…

Teil zwei dieser Reihe sollte eigentlich ein ganz anderes Thema werden, und auf dieses hier wäre ich von selbst glaube ich auch gar nicht gekommen, aber wie ich zu einer Freundin immer sage: „Der Blogpost schreibt sich von ganz alleine!“

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Fuck Fashion? Wie der Feminismus mich rettete – oder: nicht nur Instagram ist irgendwie fake – Studierende sind es auch!

Fuck Fashion? Wie der Feminismus mich rettete – oder: nicht nur Instagram ist irgendwie fake – Studierende sind es auch!

Zeitgleich mit diesem Post geht das obige Bild auch auf Instagram online. Und das nicht ohne Grund: Danach wird es keine „Fashionbilder“, keine Werbung mehr für alles hier im Post als negativ beschriebenes mehr geben, und auch die Listen der von mir abonnierten Seiten wurde schon ausgemistet.

Aber warum? Woher der Wandel? Ist es wirklich ein Wandel oder wenn ja, was? Heißt das jetzt, dass ich gar keine Bilder mehr von mir posten werde oder dass ich nie wieder shoppen gehe oder was?

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Kurzer Kommentar zu einem alten Hut: Frauen, Männer und der Sommer Teil 1

Kurzer Kommentar zu einem alten Hut: Frauen, Männer und der Sommer Teil 1

26. Juni, kurz nach 14.00 Uhr. Noch drei Tage bis zur Premiere des Open-Air Theaterstücks. Der Bühnen- und Technikaufbau ist in vollem Gang, die Sonne brennt vom Himmel, es sind mindestens 40° im Schatten.

Gut, 40° sind vielleicht übertrieben, aber auf jeden Fall ist es verdammt heiß, alle schleppen schwitzend Scheinwerfer und würden einen leichten Schneeregen zur Abkühlung sehr begrüßen. Zur Not täte es auch ein Hagelschauer.

Kurz gesagt: die Hitze bewegt sich für uns alle am Rande des Erträglichen und dann passiert es: (im Nachhinein muss ich zugeben, dass ich vermutlich schon darauf gewartet habe) Der erste hitzegeplagte Schauspieler zieht sein T-Shirt über den Kopf und die anderen ziehen nach. Ich auch. Ich meine, wo ist das Problem?

Später habe ich mit Freund*innen über die Situation gesprochen. Am häufigsten bekam ich zu hören: „Solange du noch einen BH anhattest ist das ja auch nur halb so schlimm.“

Aber: Halb so schlimm wie was? Und wieso schlimm? Und wäre es ohne BH dann doppelt so schlimm gewesen? Weil weibliche Brustwarzen im Gegensatz zu männlichen bekanntermaßen eine ernstzunehmende Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellen?

Seitdem überlege ich, ob ich ihn nicht doch besser auch ausgezogen hätte. Denn es ging mir, wenn ich ehrlich bin, schon ein bisschen ums Prinzip.

Schließlich fand ich es schon als Kind unfair, dass Jungs auch ohne Oberteil Fußball spielen dürfen, oder, dass ich ab irgendeinem Zeitpunkt einen Badeanzug anziehen sollte, statt einer Badehose. Nicht, dass mich jemand falsch versteht: Badeanzüge eigenen sich vermutlich besser für Kopfsprünge vom 3 Meter Brett als Badehosen, aber sie machen eben einen Unterschied.

In der Situation selbst gehen die Reaktionen auseinander. Es gibt einen großen Teil Belustigung, viel zustimmendes Nicken und einiges an Irritation. Nur unbemerkt bleibt die Aktion eigentlich von niemandem.

„Was geht denn bei dir ab?“, lautet die fassungslose und belustigte Frage eines Schauspielkollegen. Vor lauter Überraschung hat er seinen eigenen nackten Oberkörper scheinbar völlig vergessen.

„Das gleiche wie bei dir“, antworte ich und hieve den Scheinwerfer auf meine „nur halb so schlimme“ Schulter.

 


 

Kurzer Kommentar zu einem gerade gefundenen Beitragsbild (von flummidreams):

Nachdem der Artikel hier eingegangen war, fehlte nur noch eines: ein passendes Titelbild! Leider hatte ich diesmal selbst keine Bilder, die passen würden, weshalb ich mich im großen, bösen aber bilderreichen Internet auf die Suche machte. Belohnt wurde ich mit dem Bild, welches ihr hier sehen könnt (www.glamour.de). Es bildet zwar nicht exakt die gleiche Begebenheit ab, zeugt aber von der gleichen dahinter liegenden Logik:

Da zeigt man eine Szene, die nah am Sex ist und dann? Ist es natürlich schlimmer, wenn die Frau kein Oberteil an hätte. Alles klar.

Btw: Nur, weil Frau keinen BH anhätte, signalisiere sie damit auch nicht gleich sexuelle Verfügbarkeit.

Was alles in „sexistische Kackscheisse“ und „ich als Frau“ hineininterpretiert werden kann – oder: Wann man die Twitterbenachrichtigungen ausschalten sollte

Was alles in „sexistische Kackscheisse“ und „ich als Frau“ hineininterpretiert werden kann – oder: Wann man die Twitterbenachrichtigungen ausschalten sollte

Am Wochenende war es so weit – der Social Media Dream schlechthin ging für eine Freundin von mir in Erfüllung (*hust*): Es war ein ganz normaler Samstag, aber schon eine spontane Handlung, zwei Bilder und einen Twitter Post später wurde sie zu einer kleinen Twitter Berühmtheit. Selbst eine Freundin, die fast keinen deutschen Twitter Accounts folgt bekam nach ein paar Stunden diesen Post zu sehen:

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https://twitter.com/hibiskuspark/status/886232061660540928

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Damen- und Herrenräder und die Sache mit dem Labelling

Damen- und Herrenräder und die Sache mit dem Labelling

Mein Fahrrad hat sich noch nie so sehr wie ein „Damen-Stadt-Rad“ angefühlt wie diese Woche… da es zwei Wochen lang kaputt war (ok ich hätte es vielleicht nicht erst nach zwei Wochen in die Werkstatt bringen können aber sei’s drum 😉 ) hatte ich das Mountainbike eines Bekannten so lange ausgeliehen. Und es war (natürlich, weil ich bin ja winzig) nicht nur viel zu groß, auch der Lenker ist ganz anders gebogen und der Sattel war unglaublich hart und unbequem.

Als ich mich also endlich wieder auf mein Rad setzen konnte, war mein erster Gedanke: huch – fehlt da Luft im hinteren Rad? Nein: 1. war der Sattel einfach viel weicher, weshalb ich ein bisschen einsank, 2. war der Sattel tiefer als der Lenker, weshalb ich gerade sitzen konnte und 3. musste ich nicht mehr auf Zehenspitzen in the Pedale treten.

Nein, hier soll es nicht darum gehen wie sehr man Verkörpertes erst merkt, wenn es sich verändert (spannendes Thema nichtsdestotrotz!), sondern dass ich das Rad dadurch das erste mal so richtig als Damenrad wahrgenommen habe! (Btw: Das war gar kein so angenehmes Gefühl, das Mountainbike war wesentlich cooler 😉 … wenn ich auf dem doch nur auch freihändig hätte fahren können 😛 )

Versteht mich nicht falsch – ich liebe mein Fahrrad! Oder eher das meiner Mutter, das ich vor ein paar Jahren für meine Uni Stadt bekommen habe, da mein altes kaputt war. Es fährt sich wie auf Wolken! Aber in dieser Situation musste ich an damals denken, ich denke in etwa da, als ich mein letztes Rad (mit 12?) bekommen habe. Das war ein „Trecking Bike“, also Mix aus Mountainbike und doch irgendwie Stadtrad, also doch recht dicke Räder und bisschen Federung, aber Gepäckträger und Schutzbleche. Als wir im Laden waren gab es davon auch zwei unterschiedliche Fassungen, eines mit der „normalen“ waagrechten Stange des Herrenrades und meines, das die Stange etwas schräg drin hatte, aber nicht ganz so schräg wie bei Mamas Damenrad. Ich glaube da ist mir der Unterschied das erste Mal so richtig aufgefallen.

Übrigens typisch: Mir wurde natürlich nur das mit der schrägen Stange zum probieren im Fahrradladen vom Verkäufer hingestellt – ganz der Norm entsprechend.

Ich kann mich noch ganz genau an meinen (doch recht kindlich amüsanten) Gedankengang von damals erinnern: „Also ich mag die schräge Stange, so kann ich viel besser auf und absteigen oder anhalten (Ja ich Tollpatsch kann nicht aufsteigen indem ich mein Bein über das Rad schwinge – meistens fallen Rad und ich gemeinsam um). Aber wieso ist das gerade für Männer anders? Wenn die mit ihrem Rad so absteigen muss das doch weh tun!“ ^^

Da ich länger nicht mehr darüber nachgedacht hatte (warum auch Normen hinterfragen?^^) kam diese Frage also letzte Woche wieder auf. Und in diesem Moment beantwortete sie sich von selbst durch eine vorbeifahrende Frau mit Rock!

So – Frage der kleinen Jessi ist beantwortet, die große Jessi hat jetzt aber eine neue: Was soll der kack? So schön es ist in Downton Abbey Edith mit ihrem langen Rock in den 1920er Jahren Fahrradfahren zu sehen, wir haben nicht mehr 1924! Vielleicht übertreibe ich (ganz sicher) und unterschiedliche Fahrräder sind jetzt bestimmt kein Weltuntergang, aber es war mal wieder ein Beispiel dafür, wie stark gegendert unsere Konsumkultur ist, und wie diese Einteilung bestimmend ist! Natürlich fährt es sich mit Rock bei einer schrägen Stange leichter (aber auch nur, wenn der eng oder lang ist und mal ganz ehrlich ich hab noch keine Frau im „Rock-Anzug“ Fahrradfahren sehen …), aber wieso das Labelling, wieso ist die Stange beim „Herrenrad“ überhaupt waagerecht? Ja, vielleicht hätte die kleine Jessi lieber ein anderes Rad gehabt – wir werden es wohl nie erfahren …

 

Und um zum Abschluss noch meinen liebsten Satz aus einem der von mir zuletzt gelesenen Bücher zu zitieren:

(Kontext: Vergeschlechtlichung der Produkte im Drogeriemarkt)

„Es scheint nun, dass diese Vergeschlechtlichung der Produkte von den Kunden und Kundinnen nicht wirklich als negativ oder unangenehm erfahren wird. Müssen wir uns den Drogeriemarkt also wirklich als eine grausamen Ort vorstellen? Ich glaube schon.

(aus: Roedig, Andrea (2010): „Bipa, Conrad, Möbelix. Das Geschlecht des Kapitalismus“, in: Sighard Neckel (Hrsg.): Kapitalistischer Realismus. Von der Kunstaktion zur Gesellschaftskritik, Frankfurt: Campus, S. 197-215.)

PS – weil witzig: Danke an eine aufmerksame ältere Frau am Tischen neben uns an einem unserer letzten Abende des feministischen Salons, die nach meinen Ausführungen zu Kapitalismus und Geschlechterrollen als Wunschthema meiner Masterarbeit zu uns kam, mir einen Zettel mit der Literaturangabe gab und sagte: „Da Sie sich so für das Thema interessieren, hier ist noch ein Buchvorschlag – viel Spaß beim Lesen!“ Solche Mitmenschen sind die Besten! ❤

 

PPS – weil Sprache wichtig ist: Ich finde es sowohl bezeichnend als auch beunruhigend, dass meine Worterkennung hier „Vergeschlechtlichung“ nicht kennt!