Wissenschaftler*innen in die Öffentlichkeit!

Nicht nur die Tatsache, dass ich heute unter anderem Dr. Michael Blume (Hier zum Blog) in einer Podiumsdiskussion sehen und hören durfte, der sich im allgemeinen sehr um die Übersetzung religionswissenschaftlicher Fragestellungen und Problematiken in den gesellschaftlichen Diskurs bemüht; nicht nur der Lesekreis heute Abend, in dem wir uns jeden Mittwoch mit den Denkern (sic!) der Neuen Rechten beschäftigen; nicht nur ständige Diskussionen über Feminismus und Judith Butler; nicht nur andauernde Rechtfertigungen vor einigen Familienmitgliedern, warum ich denn so was total sinnvolles wie Religionswissenschaft und Gender History studiere; nein: alles zusammen bringt mich zu diesem Appell! Wissenschaftler*innen, ab mit euch in den öffentlichen Diskurs!

Nicht nur, dass es niemandem nützt, wenn wir alles in geschlossener Gesellschaft in unserem pseudo Elfenbeinturm diskutieren; nicht nur, dass, wenn wir uns nicht selbst erklären, es andere stattdessen (falsch) tun. Nicht nur, dass ich immer noch an einen wissenschaftlichen Ethos glaube, der nicht „Wissen“, sondern Kritik anbringt.

Wem nützt denn die Wissenschaft, wenn sie sich nicht mit der Gesellschaft beschäftigt? Und eine Wissenschaft, die sich mit der Gesellschaft beschäftigt, muss fähig sein, die Sprache der Gesellschaft nicht nur zu verstehen, sondern auch sprechen zu können.

Dabei geht es mir nicht nur (aber auch) darum, Bachelor Studierende mitzunehmen, sondern vor allem darum, anderen nicht die Bühne zu überlassen, sondern (in Elle Woods Worten) die eigene Stimme sprechen zu lassen. Oder in Butlers Worten: lasst uns die Worte zurücknehmen, die von den anderen eingenommen wurden.

Lasst uns die wissenschaftliche Deutungshoheit zurückholen, aber lassen wir dabei den Elfenbeinturm zurück!

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Kurzer Kommentar zu einem alten Hut: Frauen, Männer und der Sommer Teil 1

26. Juni, kurz nach 14.00 Uhr. Noch drei Tage bis zur Premiere des Open-Air Theaterstücks. Der Bühnen- und Technikaufbau ist in vollem Gang, die Sonne brennt vom Himmel, es sind mindestens 40° im Schatten.

Gut, 40° sind vielleicht übertrieben, aber auf jeden Fall ist es verdammt heiß, alle schleppen schwitzend Scheinwerfer und würden einen leichten Schneeregen zur Abkühlung sehr begrüßen. Zur Not täte es auch ein Hagelschauer.

Kurz gesagt: die Hitze bewegt sich für uns alle am Rande des Erträglichen und dann passiert es: (im Nachhinein muss ich zugeben, dass ich vermutlich schon darauf gewartet habe) Der erste hitzegeplagte Schauspieler zieht sein T-Shirt über den Kopf und die anderen ziehen nach. Ich auch. Ich meine, wo ist das Problem?

Später habe ich mit Freund*innen über die Situation gesprochen. Am häufigsten bekam ich zu hören: „Solange du noch einen BH anhattest ist das ja auch nur halb so schlimm.“

Aber: Halb so schlimm wie was? Und wieso schlimm? Und wäre es ohne BH dann doppelt so schlimm gewesen? Weil weibliche Brustwarzen im Gegensatz zu männlichen bekanntermaßen eine ernstzunehmende Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellen?

Seitdem überlege ich, ob ich ihn nicht doch besser auch ausgezogen hätte. Denn es ging mir, wenn ich ehrlich bin, schon ein bisschen ums Prinzip.

Schließlich fand ich es schon als Kind unfair, dass Jungs auch ohne Oberteil Fußball spielen dürfen, oder, dass ich ab irgendeinem Zeitpunkt einen Badeanzug anziehen sollte, statt einer Badehose. Nicht, dass mich jemand falsch versteht: Badeanzüge eigenen sich vermutlich besser für Kopfsprünge vom 3 Meter Brett als Badehosen, aber sie machen eben einen Unterschied.

In der Situation selbst gehen die Reaktionen auseinander. Es gibt einen großen Teil Belustigung, viel zustimmendes Nicken und einiges an Irritation. Nur unbemerkt bleibt die Aktion eigentlich von niemandem.

„Was geht denn bei dir ab?“, lautet die fassungslose und belustigte Frage eines Schauspielkollegen. Vor lauter Überraschung hat er seinen eigenen nackten Oberkörper scheinbar völlig vergessen.

„Das gleiche wie bei dir“, antworte ich und hieve den Scheinwerfer auf meine „nur halb so schlimme“ Schulter.

 


 

Kurzer Kommentar zu einem gerade gefundenen Beitragsbild (von flummidreams):

Nachdem der Artikel hier eingegangen war, fehlte nur noch eines: ein passendes Titelbild! Leider hatte ich diesmal selbst keine Bilder, die passen würden, weshalb ich mich im großen, bösen aber bilderreichen Internet auf die Suche machte. Belohnt wurde ich mit dem Bild, welches ihr hier sehen könnt (www.glamour.de). Es bildet zwar nicht exakt die gleiche Begebenheit ab, zeugt aber von der gleichen dahinter liegenden Logik:

Da zeigt man eine Szene, die nah am Sex ist und dann? Ist es natürlich schlimmer, wenn die Frau kein Oberteil an hätte. Alles klar.

Btw: Nur, weil Frau keinen BH anhätte, signalisiere sie damit auch nicht gleich sexuelle Verfügbarkeit.