Was alles in „sexistische Kackscheisse“ und „ich als Frau“ hineininterpretiert werden kann – oder: Wann man die Twitterbenachrichtigungen ausschalten sollte

Was alles in „sexistische Kackscheisse“ und „ich als Frau“ hineininterpretiert werden kann – oder: Wann man die Twitterbenachrichtigungen ausschalten sollte

Am Wochenende war es so weit – der Social Media Dream schlechthin ging für eine Freundin von mir in Erfüllung (*hust*): Es war ein ganz normaler Samstag, aber schon eine spontane Handlung, zwei Bilder und einen Twitter Post später wurde sie zu einer kleinen Twitter Berühmtheit. Selbst eine Freundin, die fast keinen deutschen Twitter Accounts folgt bekam nach ein paar Stunden diesen Post zu sehen:

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https://twitter.com/hibiskuspark/status/886232061660540928

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Damen- und Herrenräder und die Sache mit dem Labelling

Damen- und Herrenräder und die Sache mit dem Labelling

Mein Fahrrad hat sich noch nie so sehr wie ein „Damen-Stadt-Rad“ angefühlt wie diese Woche… da es zwei Wochen lang kaputt war (ok ich hätte es vielleicht nicht erst nach zwei Wochen in die Werkstatt bringen können aber sei’s drum 😉 ) hatte ich das Mountainbike eines Bekannten so lange ausgeliehen. Und es war (natürlich, weil ich bin ja winzig) nicht nur viel zu groß, auch der Lenker ist ganz anders gebogen und der Sattel war unglaublich hart und unbequem.

Als ich mich also endlich wieder auf mein Rad setzen konnte, war mein erster Gedanke: huch – fehlt da Luft im hinteren Rad? Nein: 1. war der Sattel einfach viel weicher, weshalb ich ein bisschen einsank, 2. war der Sattel tiefer als der Lenker, weshalb ich gerade sitzen konnte und 3. musste ich nicht mehr auf Zehenspitzen in the Pedale treten.

Nein, hier soll es nicht darum gehen wie sehr man Verkörpertes erst merkt, wenn es sich verändert (spannendes Thema nichtsdestotrotz!), sondern dass ich das Rad dadurch das erste mal so richtig als Damenrad wahrgenommen habe! (Btw: Das war gar kein so angenehmes Gefühl, das Mountainbike war wesentlich cooler 😉 … wenn ich auf dem doch nur auch freihändig hätte fahren können 😛 )

Versteht mich nicht falsch – ich liebe mein Fahrrad! Oder eher das meiner Mutter, das ich vor ein paar Jahren für meine Uni Stadt bekommen habe, da mein altes kaputt war. Es fährt sich wie auf Wolken! Aber in dieser Situation musste ich an damals denken, ich denke in etwa da, als ich mein letztes Rad (mit 12?) bekommen habe. Das war ein „Trecking Bike“, also Mix aus Mountainbike und doch irgendwie Stadtrad, also doch recht dicke Räder und bisschen Federung, aber Gepäckträger und Schutzbleche. Als wir im Laden waren gab es davon auch zwei unterschiedliche Fassungen, eines mit der „normalen“ waagrechten Stange des Herrenrades und meines, das die Stange etwas schräg drin hatte, aber nicht ganz so schräg wie bei Mamas Damenrad. Ich glaube da ist mir der Unterschied das erste Mal so richtig aufgefallen.

Übrigens typisch: Mir wurde natürlich nur das mit der schrägen Stange zum probieren im Fahrradladen vom Verkäufer hingestellt – ganz der Norm entsprechend.

Ich kann mich noch ganz genau an meinen (doch recht kindlich amüsanten) Gedankengang von damals erinnern: „Also ich mag die schräge Stange, so kann ich viel besser auf und absteigen oder anhalten (Ja ich Tollpatsch kann nicht aufsteigen indem ich mein Bein über das Rad schwinge – meistens fallen Rad und ich gemeinsam um). Aber wieso ist das gerade für Männer anders? Wenn die mit ihrem Rad so absteigen muss das doch weh tun!“ ^^

Da ich länger nicht mehr darüber nachgedacht hatte (warum auch Normen hinterfragen?^^) kam diese Frage also letzte Woche wieder auf. Und in diesem Moment beantwortete sie sich von selbst durch eine vorbeifahrende Frau mit Rock!

So – Frage der kleinen Jessi ist beantwortet, die große Jessi hat jetzt aber eine neue: Was soll der kack? So schön es ist in Downton Abbey Edith mit ihrem langen Rock in den 1920er Jahren Fahrradfahren zu sehen, wir haben nicht mehr 1924! Vielleicht übertreibe ich (ganz sicher) und unterschiedliche Fahrräder sind jetzt bestimmt kein Weltuntergang, aber es war mal wieder ein Beispiel dafür, wie stark gegendert unsere Konsumkultur ist, und wie diese Einteilung bestimmend ist! Natürlich fährt es sich mit Rock bei einer schrägen Stange leichter (aber auch nur, wenn der eng oder lang ist und mal ganz ehrlich ich hab noch keine Frau im „Rock-Anzug“ Fahrradfahren sehen …), aber wieso das Labelling, wieso ist die Stange beim „Herrenrad“ überhaupt waagerecht? Ja, vielleicht hätte die kleine Jessi lieber ein anderes Rad gehabt – wir werden es wohl nie erfahren …

 

Und um zum Abschluss noch meinen liebsten Satz aus einem der von mir zuletzt gelesenen Bücher zu zitieren:

(Kontext: Vergeschlechtlichung der Produkte im Drogeriemarkt)

„Es scheint nun, dass diese Vergeschlechtlichung der Produkte von den Kunden und Kundinnen nicht wirklich als negativ oder unangenehm erfahren wird. Müssen wir uns den Drogeriemarkt also wirklich als eine grausamen Ort vorstellen? Ich glaube schon.

(aus: Roedig, Andrea (2010): „Bipa, Conrad, Möbelix. Das Geschlecht des Kapitalismus“, in: Sighard Neckel (Hrsg.): Kapitalistischer Realismus. Von der Kunstaktion zur Gesellschaftskritik, Frankfurt: Campus, S. 197-215.)

PS – weil witzig: Danke an eine aufmerksame ältere Frau am Tischen neben uns an einem unserer letzten Abende des feministischen Salons, die nach meinen Ausführungen zu Kapitalismus und Geschlechterrollen als Wunschthema meiner Masterarbeit zu uns kam, mir einen Zettel mit der Literaturangabe gab und sagte: „Da Sie sich so für das Thema interessieren, hier ist noch ein Buchvorschlag – viel Spaß beim Lesen!“ Solche Mitmenschen sind die Besten! ❤

 

PPS – weil Sprache wichtig ist: Ich finde es sowohl bezeichnend als auch beunruhigend, dass meine Worterkennung hier „Vergeschlechtlichung“ nicht kennt!

 

 

Wonder Woman the Movie

Wonder Woman the Movie

… or: putting together the brilliance of Superman for the athmosphere and a bit of Downton Abbey for the setting and the humor, mixing it with a squeak with pleasure of mine spotting a tiny Harry Potter connotation and an impression of Lord of the Rings as the icing on the cake …

to make a movie I want to equally love and hate but – and I am so sorry – can only love!

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SKAM – Warum eine norwegische Teenager Serie mich auf so vielen Ebenen überzeugt hat Teil 2

SKAM –  Warum eine norwegische Teenager Serie mich auf so vielen Ebenen überzeugt hat Teil 2

Dass ich die norwegische Teeanger Serie SKAM einfach nur liebe, dürfte wohl jedem/r, der/die meinen Artikel letzte Woche gelesen hat, klar geworden sein. Diese Woche liegt mein Fokus nun vor allem auf einem Thema, das mir persönlich ebenso sehr am Herzen liegt wie Feminismus. Zudem überschneiden sich diese beiden Themenkomplexe sowieso sehr oft. Nämlich der Umgang und die Darstellung von Queeren Themen in der Populärkultur. Tatsächlich bin ich gerade dadurch auch erst auf SKAM aufmerksam geworden.

Doch was ist denn hier der Clue? Warum ist die dritte Staffel so besonders und hebt sich von vielem ab, dass ich bisher so kannte?

S4 – Episode 10 letzter Clip der Serie (mit diesem endete sie am 24.6. 2017)

Even und Isak sind – wie auch alle anderen Freunde – bei Sana zu ihrem Eid Fest (der Feier zum Ende des Ramadan) eingeladen und sprechen über das Essen, das sie gerade auf den Tellern haben, sie flirten ein bisschen miteinander, genießen die Gesellschaft des anderen in dieser entspannten Athmosphäre und Isak kommt auf die Idee, gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Einfach ein glückliches Pärchen. Isak versteckt sich nicht mehr, küsst seinen Freund auch mal in der Öffentlichkeit und ist auch selbstbewusster geworden. Even kann sicher sein, das Isak ihn liebt und ihm immer zur Seite stehen wird. Auch dann, wenn es ihm wieder schlechter gehen sollte.

Rückblick:

Isak ist sowohl in S1 als auch in S2 einer der wichtigen Nebenfiguren und Juli Andelm hat unlängst veröffentlicht, das sie von Anfang geplant hatte, das er eine eigene Season bekommen würde.

Isak ist in S1 vor allem der beste Freund von Joans und Eva. Doch nicht zwingend ein sympathischer Zeitgenosse. Ich bin nicht sicher ob ich ihn gemocht hätte, wenn ich S1 ohne Vorwissen aus S3 geschaut hätte. Denn Isak ist durchaus ein kleiner Intrigant, auch wenn er nicht die Hauptschuld daran trägt das Eva und Joans sich schließlich trennen, so hat er zumindest dazu beigetragen, das Eva nicht sicher war, ob Jonas sie betrügt oder nicht.

Gleichzeitig wird er immer mal wieder als Homo bezeichnet, ohne dass es von Zuschauerseite aus so richtig eine Erklärung dafür gibt. Er selbst versucht dabei dem Thema möglichst aus dem Weg zu gehen. Doch dass da eventuell etwas dran sein könnte, das wird in der letzten Folge der Season angedeutet, als Noora auf seinem Handy per Zufall seinen Verlauf öffnet und dabei jede Seiten Mengea la Grinder (ähnlich Tinder) aufploppen.

In Staffel 2 spielt er aufgrund der Tatsache, dass Noora nicht so viel mit ihm zu hat auch nur eine kleinere Rolle. Die Mädchen sind allerdings mehr als nur überrascht als er aufeinmal mit Sara herumknutscht, da gerade Eva und Noora sicher sind, das er gar kein Interesse an Mädchen hat. Immer wieder wird im Laufe der Staffel darauf zurückgegriffen, sogar Nooras Freund Eskild schaltet sich ein, der von sich behauptet den perfekten Gaydar zu haben – aber eigentlich vor allem damit glänzt, sowieso jeden für latent schwul zu halten. (zu Esklild auch gleich noch mehr) Um dann zunächst zu vermuten das alles nur Gerüchte waren. Es sind Teenager von denen wir hier sprechen. Und das wird bei diesen Gesprächen schon deutlich.^^

Skam will hier nicht politisch korrekt sein und das finde ich in dem ganzen Kontext auch völlig in Ordnung. Zunächst lernen wir Isak ja auch von außen kennen und nur unter dem Blickwinkel von Eva und auch Noora.

Nach Staffel 3 kann man sicher auch Isaks verhalten noch einmal besser verstehen. Er selbst stellt ebenfalls fest, dass er vorher einfach nur „fake“ war und den anderen aber auch sich selbst etwas vorgemacht hat. Dass er nun auch deshalb glücklich ist, weil er sich nicht mehr verstellt und einfach

er selbst sein kann. Das ist für mich der Schlüssel aus Staffel 3. Zu zeigen und sich vor allem zu trauen man selbst zu sein. Einfach weil das Leben dann auch so viel einfacher wird, wenn man nicht ständig Lügen und Intrigen um sich herum aufbaut, um zu verbergen wer man selbst eigentlich ist.

Isak macht diese Entwicklung wärend der Driten Staffel, von einem eher grummeliegn Teenager, der auf jeder Party mit Mädchen rummacht um zu verbergen, dass das gar nicht sein Ding ist. Hin zu einem glücklichen Teenager, der nicht nur zu sich selbst steht, sondern sich auch offen zu Even bekennt.

Magnus, eine Figur die eigentlich eher eine Nebenfigur ist, und der sich dann als einer der besten Freunde herausstellt die Isak haben kann. Sein Umgang mit Evaks Entwicklung ist witzig, manchmal gespickt mit etwas dummen Fragen, die aber lieb gemeint sind, immer mit Charme und Herz. Und auch sein bester Freund Jonas, sein Kumpel Madhi, the Boys Squad, wie sie im Fanjargon genannt werden, gehen gelassen mit Isaks Outing um. Sie unterstützen ihn, als er und Even Schwierigkeiten haben zueinander zu finden und die Szene in denen sie ihm Tipps für eine Nachricht an ihn geben, ist einfach nur super.

Freundschaft ist in Skam ein wichtiger Punkt und hier wird das wieder stark betont. Toll fand ich hier auch wie selbstverständlich Even dann in die Gruppe integriert wird.

Eskild hingegen wird von Anfang an, als man ihn als Mitbewohner Nooras kennelernt, als geoutet dargestellt. Er ist mit sich selbst im Reinen und ist einfach wie er ist. Ein bisschen durchgeknallt, mit der Ansicht den perfekten Gaydar zu haben (einen Radar, Schwule auf den ersten Blick zu erkennen). Zunächst vor allem als Partyboy beschrieben, zeigt sich, dass mehr in ihm steckt als angedeutet. Er ist ein loyaler Freund und liebt seine Mitwohner alle^^ Er ist dann auch einer der ersten die Isak fragt, was er wegen Even nun tun soll und The Guru (wie er sich bei einem Gespräch spontan nennt *g*) gibt ihm gerne Rat. Er ist es auch, der eine flammende Rede für Rechte der Queeren Gemeinschaft hält und Isak klar macht, das er seine Denkweise darüber verändern sollte. Denn auch Isak hat hier so seine Vorurteile. Er meint er wollte halt nicht so Gay-gay sein (er meint hier das er kein Klischee sein will). Eskild macht ihm klar, das er hier mal über Pride nach denken sollte und das diese Menschen für ihr Recht auf das Anders sein hart gekämpft haben. Und Isak merkt das er sich entschuldigen muss. Auch ein wichtiges Gespräch, das hier eine der Veränderungen makiert, die Isak in der Staffel macht.

Klar könnte man sich fragen: ist das realistisch? Läuft ein Coming out echt immer entspannt`?? Leider nein, aber für mich geht es hier auch nicht darum!

Sondern, dass ich hier einfach eine schöne Liebesgeschiche habe, die ihren Fokus ebenso auf andere Themen legt, wie das auch in den andren Staffeln von Skam der Fall ist. Andelm macht hier absolut keinen Unterschied zwischen ihren Paaren, egal welche Sexualität. Die Darstellung ändert sich kaum. Knutschen, flirten, schöne Gespräche, traurige Momente und auch Sex. Die Szenen wechseln sich ab und zeigen Liebe in all ihren Facetten.

Das Problem zwischen Even und Isak ist dann auch eigentlich nicht, dass sie sich geküsst haben, sondern das Even bipolar ist und es daher aufgrund dessen, nicht immer so 100 Prozent einfach mit ihm sein kann. Aber auch hier geht Andelm mit ihren Figuren behutsam vor. Es geht mehr darum auch jemanden dann zu lieben, wenn es dem Partner nicht so gut geht, oder er oder sie sogar eine psychische Krankheit hat. Isak zeigt hier, dass er sich wirklich weiter entwickelt hat und steht zu Even – bedingungslos.

Zurück zur Frage – SKAM erzählt immer wieder, wie die Welt sein sollte, wie sie sein könnte. Und ich persönlich finde es super, dass hier nicht die tausendse tragische Coming Out Story erzählt wurde. Im Gegenteil, Isak und Even dürfen am Ende glücklich sein und es auch bleiben. Irgendwann ist das Drama vorbei und gerade in Staffel 4 sind sehen wir vor allem den ganz normalen Pärchenalltag und das finde ich einfach wunderbar.

Wärend Isak und Even sich nun in Staffel 3 immer näherkommen, sehen wir auch typische Szenen, die dafür sorgen das man sich besser kennelernt und eben auch näher kommen kann. Da wird ein Gespräch über Käsetoast und welche Gewürze darauf sollen, zum leichten Flirt (ohne, dass es wirklich beiden klar ist *g*) und ein recht harmloses Gespräch über Sonja – zu dem Zeitpunkt noch Evens Freundin – endet fast in einem Kuss zwischen den beiden. Im Vorfeld war Isak übrigens so neugierig Even besser kennen zu lernen, dass er ihn im Internet erstmal gegoogelt hat. (Und mir kann niemand erzählen, dass das nicht inzwischen ganz normal ist *g*)

Die Geschichte wird mit so viel Liebe und Gefühl beschrieben. Der erste Kuss zwischen den beiden dann eine Hommage an BuzLurhmanns Romeo du Julia (Evens Lieblingsfilm) in einem Swimmingpool.

Überhaupt küssen sich die beiden sehr oft, nicht weniger oder mehr als die anderen Paare bei SKAM, aber ich fand das schon sehr ungewöhnlich. Und deshalb auch so toll. In einer ganz normalen Teenagerserie, die sich nicht an eine bestimmte Zielgruppe richtet -außer an Teeanger im Allgemeinen – das so offen und normal zu sehen, finde ich einfach grandios! Es wird kein Theater darum gemacht, sie wirken entspannt und glücklich dabei – genauso wie es ein sollte. Man sieht, dass sie sich lieben und spürt das auch.

Henrik Holm und Tarjej Sandvik Moe sind übrigens auch junge Männer für die es nichts besonderes ist das sich auch Männer küssen. So haben sie beim Gullrutenpreis (wichtiger norwegischer Fernsehpreis) dieses Jahr in Norwegen auf die auf sie gerichtete Kissingkamera genauso reagiert wie viele andere: sie küssten sich. Und das ohne, dass sie selbst ein Paar wäre. Henrik z.B. hat eine Freundin. Aber beide meinten das sie es inzwischen gewohnt sind darum gebeten zu werden zu knutschen.^^ Sie haben von Anfang eine Schauspielerische Chemie gespürt die dazu führte, dass sie sich auch wohl gefühlt haben.

Beide treten auch in der Öffentlichkeit dafür ein, das es eben einfach normal sein sollte, dass sich Jungs und Männer küssen oder Homosexuelle gleiche Rechte haben sollten wie andere auch.

Gerade weil hier das Queere Thema so natürlich dargestellt ist, gefällt mir die dritte Staffel so gut. Even und Isak sind verliebt und das sieht man, das spürt man hinter jedem Kuss, bei jedem Lächeln, beim Umgang miteinander in der gemeinsamen Wohnung in Staffel 4 und eben auch bei den gemeinsamen Plänen in der letzten Folge.

Was ich aber hoffe ist, dass es irgendwann so normal ist, dass es selbst mir nicht mehr auffällt, sondern einfach da ist. SKAM machte da auf jeden Fall den ersten Schritt in die richtige Richtung!

 


Über die Serie

SKAM (norwegisch soviel wie Schande, aber auch Fehltritt oder Scham) 2015-2017

Drehbuch, Regie und Idee: Juli Andelm

Norwegische Serie, in 4 Staffeln mit Folgen je 15- 50 Minuten Länge, Eva, Noora, Isak und zuletzt Sana waren die jeweiligen Hauptprotagonisten

Austrahlung: Als Clips im Netz – jeweils zur Uhrzeit der jeweiligen Szene (z:b Freitag 21:21 dann ist es auch in der Serie diese Zeit), freitags jeweils als Zusammenschnitt aller Clips der Woche im Netz und TV

Außerhalb Norwegens ist die Serie dank der großen Fanbasis auch zu finden, dank einiger sehr lieber Fans sogar mit englischem Untertitel. Einfach ein bisschen suchen😉…

SKAM verhandelt auch Themen wie Feminismus und Genderfragen, Coming Out, Erste Liebe, Trennung, Sexualität, Vergewaltigung. Bevor Andelm die Geschichte entwickelt hat, ist sie mehrere Monate durch Norwegen gereist und hat Teenager im ganzen Land befragt. Aufgrund dieser Erfahrungen hat sie SKAM entwickelt, dabei wurden die Figuren aber auch teilweise stärker an ihre Schauspieler angeglichen.

Dabei verschwammen die Grenzen von Realität und Fiktion. Dies wurde durch eigene Instagram-, und Facebookseiten, sowie Whatsappnachrichten der wichtigsten Figuren, die man jeweils in Echtzeit mitverfolgen konnte, noch verstärkt.

SKAM hat dabei die Norwegische Meidenlandschaft gehörig auf den Kopf gestellt und zum Teil bis eine Millionen Zuschauer und das nicht nur aus Norwegen angezogen. In Norwegen selbst gehört SKAM zu den innovativsten Serien der letzten Jahre und hat zwei Mal beim wichtigsten Fernsehpreis Norwegens Gullruten mehrere Preise gewonnen.

Frauen an den Plattentellern – Der Fall „Konstantin“

  Gastbeitrag von Francesco di Noi 

Aus aktuellem Anlass und da es der Fall „Konstantin“ (ich verzichte bewusst auf „Giegeling“, da das Label nicht nur aus einer Person besteht) über die Online-Version der „Bild für Akademiker“ aka SPON mittlerweile in eine breitere Öffentlichkeit geschafft hat, können wir das Thema an dieser Stelle ja auch mal aufgreifen. Doch worum geht’s?

Der DJ und Produzent Konstantin des Techno-Labels „Giegling“ hatte der„Groove“, einem der ältesten und bekanntesten Magazine der deutschen Szene für elektronische Musik, ein Interview gegeben. Darin kritisierte er die Aufmerksamkeit, die DJanes, also Frauen, die auflegen, derzeit bekämen, denn diese sei schlichtweg ungerechtfertigt. Schließlich legten Frauen meist schlechter auf.

 

Vom Herd hinters Mischpult?

Das Label ist ohne das, heute übliche, social marketing bekannt geworden und irgendwie merkt man es ebenjenen Aussagen im Interview auch an. Allerdings soll es jetzt nicht um (höflich ausgedrückt) ungeschickte Außendarstellung gehen. Obwohl, eigentlich doch. Zum Teil. Denn beschäftigen wir uns mit Konstantins Kritikpunkten, so spielt auch das natürlich eine Rolle.
Also, wieso wird speziell DJanes anscheinend so viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet?
Nun, es gibt eben nicht so viele von ihnen. Oder könntet Ihr mir jetzt, sofern Ihr nicht aus der Szene seid, spontan fünf DJanes nennen? Wahrscheinlich nicht. Und sollten Euch Paris Hilton oder Ex-GNTM Kandidatin Micaela Schäfer eingefallen sein – die zählen nicht! Warum, das klären wir später. Als ich anfing mich hinter die Plattenteller zu stellen, wäre mir – ehrlich gesagt – auch nur Marusha eingefallen und in meinem DJ-Bekanntenkreis befinden sich heute auch lediglich drei DJanes.
Halten wir somit fest: DJanes sind ein rares Gut und immer noch ein eher ungewohnter oder – sagen wir – besonderer Anblick. Besonderheiten wird ja generell mehr Aufmerksamkeit zu Teil. Das gilt  z.B. ebenfalls für konsequent maskierte Künstler, wie Daft Punk oder Deadmau5. No big deal.
Doch apropos Anblick! Ein grundlegenderes Problem, mit dem sich die DJ-Szene mMn. auseinandersetzen muss, sind die Performancer, die als DJs vermarktet werden oder, wie ich es gerne nenne, der „Guetta-Effekt“. „Ja, aber Milli Vanilli haben schon…“, könnte man jetzt anmerken, führt uns aber zu sehr vom Thema weg. Der „Guetta-Effekt“ ist abgeleitet von dem frz. Produzenten und DJ David Guetta, durch dessen kommerziellen Erfolg es en vogue wurde, mit einem – von wem auch immer – vorgefertigten Mix, hinter dem Mischpult den „Klatschaffen“ zu spielen, statt live aufzulegen. Natürlich gehört, als Unterhalter, welcher der DJ nun mal ist, ebenso ein gewisses Auftreten. Solange es nicht auf Kosten der eigentlichen Aufgabe, nämlich das DJing, geht, ist das auch vollkommen okay.
Mit dieser Kultivierung der Performance, weg vom Auflegen selbst, entfalten sich andere Vermarktungsstrategien im Zuge derer die alte Regel „sex sells“  selbstverständlich auch nicht fehlen darf. Das Wichtigste ist es weiterhin, die Leute auf die Tanzfläche zu bekommen und dabei gilt: Bring‘ die Frauen zum tanzen und die Männer kommen, wie von selbst, nach. Das Ergebnis ist ein voller Dancefloor. Und genau deswegen, liebe Damen, werden Eure Musikwünsche auch eher berücksichtigt, als die von uns Männern. In „Fachkreisen“ kurz „Tittenbonus“ genannt.
Womit wir auch schon bei dem angekündigten „später“ angelangt wären.

 

Die erste Topless-DJane, die ich kennengelernt habe, war die Ungarin Niki Belucci. Die ehemalige Turnerin und anschließend kurzzeitige Pornodarstellerin, man kann sich nun bereits denken, dass sie einem gewissen Attraktivitätsverständnis entspricht. hatte damals noch das, ihr zu eigen seiende, Markenzeichen eben oben ohne, wahlweise mit Collie (das Schmuckstück, nicht der Hund (!) oder nur mit glitzernden titty stickers (Ihr wisst schon, die Dinger, mit denen man sich die Nippel dekorativ beklebt) aufzulegen. Das war etwas besonderes, weswegen allein so manche Leute den Club besuchten, in dem Niki auflegte (s.o.).
Heutzutage lockt das niemanden mehr hinter dem Ofen vor. Außer – natürlich! – es handelt sich um eine Prominente. Bestes Beispiel aus dem deutschsprachigen Raum ist die bereits erwähnte Micaela Schäfer. Und weil viel nackte Haut und zwei, vor Silikon strotzende, wohlgeformte Brüste wohl nicht mehr die Massen ziehen, soll, wie gerade per Zufall gelesen, nun noch eine Dritte hinzukommen! Was in „Total Recall“ super geklappt hat, muss im echten Leben schließlich auch prima ankommen. Während Niki Belucci wohl tatsächlich auflegen kann und mittlerweile deutlich mehr Kleidung, während ihrer Gigs, trägt, trifft beides auf Frau Schäfer hingegen in keinster Weise zu. Leider ist sie eben kein Einzelfall und, damit lehne ich mich sicherlich nicht mal ans Fenster, ausschließlich auf Grund ihrer Nackt- und vorherigen Bekanntheit als „DJane“ erfolgreich. „Tittenbonus“ als unlautere Konkurrenz sozusagen. Ich kann mir auch schwer vorstellen, dass ein Topless-DJs (mit wohlgeformten „moobs“) annähernd so viel (wirtschaftlichen) Zuspruch bekäme. Aber es sind nicht bloß die Topless-DJanes, die den Wettbewerb verzerren. Oder glaubt tatsächlich irgendjemand, dass Paris Hilton wirklich ihr Set live spielt oder zuvor selbst aufgenommen hat? Für alle anderen, die nicht zuvor zu einer gewissen Popularität gelangt sind, fasst es Fabri Fibra (feat. Thegiornalisti) in seinem aktuellen Song „Pamplona“ zusammen: „Oggi le modelle fanno il dj.“ (dt. „Heutzutage geben die Models den DJ“). Das ist ein Problem, selbst wenn man realistisch einräumen muss, dass „Vitamin B“ in der Branche stets einen immensen Anteil hatte und das Geschäft nie rein leistungsbezogen war, sowohl für DJs, als auch DJanes. Denn das Bild und die Idee vom gut ausehenden Püppchen, welches eigentlich nur nettes Beiwerk ist, sich dennoch DJane nennen darf, manifestieren sich in den Köpfen und werden entweder zum Klischee, das die Leistung von echten DJanes untergräbt, oder zu einem negativen Stereotyp, der fast allen Frauen die Fähigkeit zum Auflegen abspricht.

 

Es gibt also durchaus Anhaltspunkte und genügend Beispiele dafür, dass so manche Frau, die hinter dem Mischpult steht und besonders betont an den Plattentellern oder, auch gern sich nicht mal im Betrieb befindenen, CD-Playern herum wackelt, nicht die Bezeichnung DJane, ob ihres fehlenden Könnens, verdient. Ebenso ist festzuhalten, dass jedoch gerade diesen Frauen oftmals die meiste mediale und wirtschaftliche Aufmerksamkeit zugesprochen wird, was sich entweder auf ihre anderweitig erworbene Prominenz oder und weit häufiger auf ihre optische Attraktivität zurückführen lässt. Davon negativ betroffen sind DJs und DJanes gleichermaßen, da das originäre Problem, allen kulturpessimistischen Vorwürfen zum Trotz, in einem Paradigmenwechsel hin zum performativen Akt, der seinen ursprünglichen Wesenskern fortlaufend zu marginal- oder sogar zu rudimentarisieren scheint, liegt. Hieraus resultieren sowohl der männliche, handlungsorientiertere (Animator), als auch der weibliche, stärker optisch orientierte (Präsentator) „Phänotyp“, zwei Seiten derselben Medaille, als abwertendes Klischee und als Feindbild, die sich etablieren.
Eine gewisse, vielleicht auch selbst rettende, Reflexion und Zäsur der aktuellen Kultur in der elektronischen Musikszene, in der die künstlerische und damit mMn. auch geschlechtsunabhängige Leistung wieder stärker in den Fokus rückt, wäre angebracht.

Denn derartige Behauptungen, wie die von Konstantin, dass Frauen schlechter auflegen, als Männer, habe ich noch nie zuvor gehört und es macht mir Sorgen, wenn solche Vorstellungen am Ende auch ein Ergebnis dieser „fake culture“ hinter den Plattentellern sind.

 


 

Zum Autor:
Francesco di Noi begann bereits im Alter von zwölf Jahren hinter den Plattentellern zu stehen und Musik zu machen. Nach zwischenzeitlichen Ausflügen in die Musikproduktion und einer Ausbildung
im Bereich der Tontechnik, legt das „Espressokid“ heute in diversen Clubs auf oder ist auf Großveranstaltungen, wie dem „Juicy Beats“-Festival, als DJ tätig. Seit Mai 2016 ist er bei eldoradio* aktiv und präsentiert dort einmal im Monat die Radioshow „Open Sesame“.

 

SKAM – Warum eine norwegische Teenager Serie mich auf so vielen Ebenen überzeugt hat Teil 1

SKAM –  Warum eine norwegische Teenager Serie mich auf so vielen Ebenen überzeugt hat Teil 1

Warum habe ich jeden Menschen den ich so kenn von dieser Serie vorgeschwärmt? Und ich habe wirklich keine Gelegenheit ausgelassen (daraus resultiert übrigens auch dieser Beitrag hier *g*).

Tatsächlich nicht nur, weil mich die Geschichten der Figuren angesprochen haben sondern auch weil die Serie drei zentrale Themen bearbeitet, die mir persönlich am Herz liegen und mit deren Umsetzung ich total glücklich bin. Feminismus, Homosexualität und Religion. In meiner dreiteiligen Reihe möchte ich euch die Serie daher unter diesen Gesichtspunkten ans Herz legen.

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Wonderwoman – A Sign of Female Power? Teil II

Wonderwoman – A Sign of Female Power? Teil II

Nein, auch heute geht es noch nicht um den Film, auch wenn der mittlerweile ja schon in den Kinos angelaufen ist. Wie ihr vielleicht bereits in meiner Überarbeitung von Teil I gelesen habt, ist die Story ja doch nicht ganz die gleiche wie in den Comics und kommt dem Wunsch Marstons eigentlich nicht entgegen. Dieser hatte seine Wonder Woman nämlich mit der Absicht konzipiert, die Wahrnehmung der Geschlecht zu verändern und die Hierarchie, in der Männer Frauen beherrschen aufzubrechen:

William Marston – ein feministischer Autor?

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